Diarrhö: Die passende Empfehlung für jeden Fall

Reisedurchfall, Probiotika und Antibiotika-Diarrhö: Welche Optionen im HV sinnvoll sind – und wann Durchfall nicht mehr in die Selbstmedikation gehört.

 Durchfall gehört zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Apotheke. Bevor jedoch eine Empfehlung ausgesprochen wird, muss zunächst geklärt werden, ob eine Selbstmedikation überhaupt infrage kommt. Wie die richtige Triage im HV gelingt und welche Warnzeichen eine ärztliche Abklärung erfordern, haben wir im ersten Teil unserer Serie zum Thema Diarrhö erläutert. Nun geht es um die passenden Therapieoptionen für unterschiedliche Situationen: von Reisedurchfall über Probiotika bis hin zur Antibiotika-assoziierten Diarrhö.

Reisedurchfall: Beratung beginnt vor dem Urlaub

Reisedurchfall verdient im HV einen eigenen Blick. Er ist häufig selbstlimitierend, kann aber den Urlaub ruinieren – und die Beratung beginnt idealerweise schon vor der Abreise. Neben Händehygiene, sicherem Trinkwasser, Vorsicht bei Eiswürfeln, rohen Speisen und Buffets gehört eine kleine Reiseapotheke dazu: orale Rehydratationslösung, eventuell Loperamid für geeignete Situationen, ein geeignetes Probiotikum oder Hefepräparat, Fieberthermometer und je nach Reiseziel ärztlich verordnete Reservemedikation.

Adstringenzien bei Reisedurchfall

Hier passt auch Tannacomp® in die Beratung. Es enthält die Wirkstoffkombination aus Tanninalbuminat und Ethacridinlactat-Monohydrat. Tanninalbuminat wirkt lokal im Darmlumen adstringierend, Ethacridinlactat wird antimikrobiell und krampflösend beschrieben. Tannacomp® kann zur Behandlung akuter unspezifischer Durchfälle eingesetzt werden und wird auch im Zusammenhang mit Reisedurchfall häufig nachgefragt. Für die Beratung wichtig: Es ist nicht dasselbe wie ein Motilitätshemmer. Es „stoppt“ den Darm nicht wie Loperamid, sondern setzt lokal an Schleimhaut und Darmlumen an. Trotzdem gilt auch hier: Blut im Stuhl, hohes Fieber, schwere Bauchschmerzen, Exsikkose oder länger anhaltende Beschwerden gehören nicht in die reine Selbstmedikation.

Bei Durchfall auf Reisen kann Loperamid praktisch sein, wenn keine Warnzeichen vorliegen, etwa bei wässrigem Durchfall ohne Fieber und ohne Blut. Es kann helfen, mobil zu bleiben, sollte aber nicht dazu führen, dass Warnsymptome übergangen werden. Gerade bei invasiven Erregern ist es problematisch, die Darmpassage zu bremsen. In der Beratung könnt ihr deshalb klar trennen: Rehydratation immer, Loperamid nur situativ und kurzfristig, Tannacomp® als lokal wirkende Option bei geeigneten unspezifischen Verläufen, ärztliche Hilfe bei schweren Symptomen.

Antibiotikaassoziierte Diarrhö: Besondere Vorsicht im HV

Noch sensibler ist die antibiotikaassoziierte Diarrhö. Sie kann während der Einnahme auftreten, aber auch erst Tage bis Wochen danach. Häufig ist sie mild, aber sie kann auch Hinweis auf eine Clostridioides-difficile-Infektion sein. Besonders aufmerksam solltest du sein bei höherem Alter, kürzlicher Hospitalisierung, Dauertherapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI), Immunsuppression, schweren Grunderkrankungen, Fieber, starken Bauchschmerzen, Blutbeimengungen oder sehr häufigen wässrigen Stühlen. Wichtig ist es, dass die Betroffenen die verordneten Antibiotika nicht eigenmächtig absetzen, sondern ärztliche Rücksprache halten. Loperamid gehört bei antibiotikaassoziiertem Durchfall nicht in die HV-Selbstmedikation.

Probiotika gezielt auswählen statt pauschal empfehlen

Bei Probiotika lohnt sich Differenzierung. Perenterol® forte mit Saccharomyces boulardii ist kein Darmbakterienpräparat, sondern ein Hefepräparat. Das ist nicht automatisch ein Nachteil: Hefen werden durch Antibiotika nicht erfasst und können deshalb parallel eingenommen werden. Sie „füttern“ aber keine durch Antibiotika dezimierten Darmbakterien. Wenn Kund:innen ausdrücklich ihre Darmflora nach der Antibiotikaeinnahme wieder aufbauen möchten, sind bakterielle Mehrstammpräparate oder spezifische Stämme naheliegender, zum Beispiel Innovall® AID mit mehreren Bakterienstämmen oder OMNi-BiOTiC® 10 AAD als bilanzierte Diät zum Diätmanagement bei antibiotikabedingter Dysbalance der Darmflora. Auch Präparate mit Lactobacillus rhamnosus GG, etwa im Kinderbereich InfectoDiarrstop® LGG® Mono, können je nach Alter und Indikation eine Rolle spielen.

Vier Fragen für die richtige Produktauswahl

Wichtig ist es aber, keine falschen Versprechen zu machen. Probiotika sind kein Ersatz für Diagnostik, keine Garantie gegen Antibiotika-Durchfall und bei schwerem Krankheitsgefühl nicht ausreichend. Außerdem ist die Evidenz stamm- und produktabhängig. Ein pauschales „nehmen Sie irgendein Probiotikum“ ist pharmazeutisch schwach. Besser ist es zu fragen:

  • Welcher Patient ist betroffen?
  • Welches Antibiotikum wurde eingenommen?
  • Welche Beschwerden bestehen akut?
  • Welches Präparat passt zu Alter, Darreichungsform, Einnahmeabstand und Begleitmedikation?

 

Es ist ebenfalls wichtig, darauf hinzuweisen, dass bakterielle Präparate mit Abstand zum Antibiotikum eingenommen werden. Häufig werden zwei bis drei Stunden empfohlen. Bei Hefen ist dieser Abstand pharmakologisch weniger zwingend, trotzdem kann eine getrennte Einnahme für die Routine sinnvoll sein. Pulver dürfen nicht in heiße Getränke eingerührt werden. Bei schwer immunsupprimierten Patient:innen, kritisch Kranken oder liegendem Zentralvenenkatheter solltet ihr mit lebenden Mikroorganismen besonders vorsichtig sein und ärztlich rückfragen.

Fazit: Triage bleibt der wichtigste Schritt

Für das pharmazeutische Personal ist es also wichtig, erst das Risiko zu erkennen, dann zu rehydrieren, dann gezielt symptomatisch zu behandeln. Durchfallmittel sind keine reine Griffwahl, sie sind Triageprodukte.