Wochenrückblick: Zwischen expopharm und Deutschem Apothekertag

München war diese Woche das Zentrum der Apothekenwelt: DAT und expopharm diskutieren die Zukunft der Branche. Aber auch sonst war diese Woche viel los!

Deutscher Apothekertag: Kampfansage an den Rx-Versandhandel

Der Versandhandel gehörte zu den beherrschenden Themen des Deutschen Apothekertags in München. ABDA-Präsident Thomas Preis forderte die Politik auf, insbesondere gegen Zuzahlungserlasse ausländischer Versandapotheken vorzugehen. Die geplante Erhöhung der Zuzahlungen dürfe nicht zum Wettbewerbsvorteil für Versender werden. Auch die Einhaltung pharmazeutischer Standards, etwa bei der Temperaturkontrolle, stand in der Kritik. Die Anträge der Delegierten reichten deshalb von einem konsequenteren Vorgehen gegen einzelne Praktiken bis zur erneuten Forderung nach einem Rx-Versandverbot. Einig war man sich vor allem darin: Für alle, die deutsche Patient*innen mit Arzneimitteln versorgen, müssen dieselben Regeln gelten.

DAT fordert gesetzliche Lösung für Rezepturen im Sprechstundenbedarf

Ein Thema, das besonders die Rezeptur betrifft, schaffte es per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung. Seit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts dürfen Apotheken Rezepturen nicht mehr ohne Patientenbezug für Praxen herstellen und abgeben – ein Beispiel dafür wäre die defekturmäßige Herstellung von abgeteilten Mengen Glucose für die Herstellung eines Toleranztests in der Arztpraxis. Der DAT fordert nun den Gesetzgeber auf, die Folgen für die Versorgung zu prüfen und eine eindeutige gesetzliche Grundlage zu schaffen. Gerade bei bewährten Zubereitungen für den Sprechstundenbedarf kann die derzeitige Situation zu erheblichen Problemen führen. Die Delegierten betonten zudem: Die Arzneimittelherstellung gehört zu den Kernkompetenzen der Apotheke, die man nicht beschneiden sollte.

expopharm: Apotheke der Zukunft sucht ihr neues Profil

Mehr als 500 Aussteller und Marken sowie über 200 Programmbeiträge machen die expopharm auch 2026 zum großen Schaufenster der Branche. Auffällig ist, wie stark sich die Diskussion inzwischen von der klassischen Arzneimittelabgabe hin zu neuen Versorgungsaufgaben verschiebt. Prävention, Impfungen, pharmazeutische Dienstleistungen, Telemedizin, Digitalisierung und KI bestimmen viele Vorträge und Gespräche. Gleichzeitig bleibt die Frage, welche dieser Ideen wirtschaftlich und personell tatsächlich im Alltag umsetzbar sind, der zusätzlich auch noch bürokratisch überfrachtet ist. Das neue Zukunftsforum soll genau hier Orientierung bieten – zwischen politischen Reformen, technischer Innovation und dem Anspruch, die Vor-Ort-Apotheke stärker als Gesundheitszentrum zu positionieren.

KI in der Apotheke: Zwischen Messe-Hype und Offizin-Alltag

Auf der Expopharm ist KI nahezu allgegenwärtig – im Apothekenalltag sieht es bislang  deutlich anders aus. Laut ApoMomentum-Studie 2026 nutzen fast drei Viertel der befragten Apotheker*innen und PTA die künstliche Intelligenz entweder gar nicht oder höchstens ein- bis zweimal pro Monat beruflich. Befragt wurden 736 Apothekerinnen und 669 PTA. Das zeigt eine interessante Diskrepanz: Während auf Kongressen bereits über KI-gestützte Beratung, Prozessoptimierung und neue Geschäftsmodelle gesprochen wird, steht die praktische Nutzung in vielen Teams offenbar noch am Anfang.

Notdienstpauschale sinkt auf 566,85 Euro

Während auf dem DAT über die wirtschaftliche Stärkung der Apotheken diskutiert wird, kommt vom Nacht- und Notdienstfonds eine weniger erfreuliche Zahl: Für einen im zweiten Quartal 2026 geleisteten Vollnotdienst erhalten Apotheken 566,85 Euro – 4,61 Euro weniger als zuvor. Insgesamt leisteten 16.512 Apotheken zwischen April und Juni 73.035 Vollnotdienste. Gerade angesichts der Personal- und Betriebskosten bleibt die Finanzierung der flächendeckenden Nacht- und Notdienstversorgung der Bevölkerung damit ein sensibles Thema.

THC-Vape-Kartuschen: Gericht stoppt Vertrieb

Ein Urteil aus Düsseldorf dürfte auch Cannabis-versorgende Apotheken interessieren. Das Landgericht Düsseldorf hat den Vertrieb von THC-haltigen Vape-Kartuschen gestoppt. Nach Auffassung des Gerichts handelt es sich dabei um zulassungspflichtige Fertigarzneimittel. Die Apothekerkammer Nordrhein war gegen entsprechende Angebote vorgegangen. Für Apotheken bedeutet die Entscheidung: Fertig befüllte THC-Kartuschen sind keineswegs einfach eine weitere Form der Cannabisversorgung – wer sie ohne entsprechende Zulassung anbietet, geht ein erhebliches rechtliches Risiko ein.