Wochenrückblick: Linnemann vereidigt, neue PTA-Perspektiven

Neuer Gesundheitsminister, neue Karrierechancen für PTA in Planung, Streit um das Dispensierrecht, Warnungen zur Pilzsaison und neue Impulse für die Krebsprävention: die wichtigsten Gesundheitsthemen der Woche.

Linnemann offiziell als Gesundheitsminister vereidigt

Mit der Vereidigung von Carsten Linnemann (CDU) als Bundesgesundheitsminister ist der Wechsel an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums nun auch formell vollzogen. Linnemann, der das Amt bereits Ende Juli von Nina Warken übernommen hatte, kündigte an, den begonnenen Reformkurs fortzusetzen und sich für eine verlässliche sowie finanzierbare Gesundheits- und Pflegeversorgung einzusetzen. Für die Apothekenbranche ist der Schritt besonders relevant, weil damit auch die letzten noch ausstehenden Teile der Apothekenreform auf den Weg gebracht werden können. Der Kabinettsumbau war nach dem Rücktritt des früheren Fraktionschefs Jens Spahn notwendig geworden; neben Linnemann wurde auch Steffen Bilger (CDU) als neuer Verkehrsminister vereidigt.

PTA-Karriere: Erste Eckpunkte für neue Weiterqualifizierung diskutiert

Für PTA könnte sich in Zukunft endlich eine echte Karriereperspektive innerhalb des Berufs eröffnen. Auf Einladung von ADEXA haben sich Anfang September Vertreter:innen von PTA-Schulen, der Bundesapothekerkammer (BAK), der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), dem Bundesverband PTA (BVpta) und dem Deutschen Apotheker Verlag zusammengesetzt, um erste Ideen für eine bundesweit anerkannte PTA-Weiterqualifizierung zu entwickeln. Dabei herrschte viel Einigkeit: Die Weiterbildung soll berufsbegleitend, modular aufgebaut und mit einer verbindlichen Abschlussprüfung verbunden sein. Ziel ist es, auf der PTA-Ausbildung aufzubauen, zusätzliche Kompetenzen zu vermitteln und damit neue Tätigkeitsfelder zu erschließen.

Im Mittelpunkt stand außerdem die Frage, wie sich eine solche Qualifizierung auch finanziell lohnen kann. Denn bislang fehlen PTA attraktive Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, die sich spürbar im Gehalt niederschlagen. Gerade das gilt als einer der Gründe für den Fachkräftemangel. Der Runde Tisch in Hamburg war dabei nur der Startschuss: Die Bundesapothekerkammer will die weiteren Arbeiten nun in einer eigenen Arbeitsgruppe vorantreiben.

Ärzte drängen auf erweitertes Dispensierrecht im Notdienst

Im Zuge der geplanten Notfallreform hat sich bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags ein Streit um die Arzneimittelabgabe durch Ärzte abgezeichnet. Während die Bundesregierung Ärzten in Notfallpraxen erlauben will, Medikamente zur Überbrückung von bis zu drei Tagen direkt an Patienten abzugeben, lehnt die ABDA diese Regelung weiterhin ab und fordert stattdessen eine stärkere Einbindung der Apotheken.

Laut der Pharmazeutischen Zeitung geht die Hausärzteschaft noch weiter und fordert, das Dispensierrecht auch auf Haus- und Bereitschaftsbesuche auszuweiten. Nach Ansicht des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands könnte so insbesondere bei immobiler, hochbetagter oder akut erkrankter Patientenschaft eine notwendige Therapie sofort begonnen werden, wenn nachts oder in ländlichen Regionen keine Apotheke erreichbar ist. Die Medikamentenabgabe vor Ort sei aus Sicht der Ärzte ein wichtiger Beitrag zur Patientensicherheit.

Pilzesammeln: Leberstiftung warnt vor lebensgefährlichen Vergiftungen

Mit Beginn der Pilzsaison warnt die Deutsche Leberstiftung vor den Risiken von Pilzvergiftungen. Besonders in den pilzreichen Monaten des Spätsommers und Herbstes komme es immer wieder zu schweren Vergiftungen, die zu Leber- und Nierenversagen führen können. Anlass zur verstärkten Aufklärung gibt auch die überdurchschnittlich hohe Zahl von Anfragen zu Pilzvergiftungen im Jahr 2025.

Als besonders gefährlich gilt der Grüne Knollenblätterpilz, der für den Großteil der tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich ist. Fachleute raten deshalb, nur eindeutig bestimmte Pilze zu verzehren und im Zweifel Pilzsachverständige hinzuzuziehen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollten Betroffene sofort medizinische Hilfe suchen oder den Giftnotruf kontaktieren. Schnelles Handeln kann entscheidend sein, um schwere Leberschäden oder sogar eine notwendige Lebertransplantation zu verhindern.

Krebsprävention: Fachleute legen Maßnahmenkatalog vor

Etwa 40 % aller Krebserkrankungen gelten als vermeidbar. Dennoch wird vorhandenes Wissen zur Krebsprävention nach Ansicht von Expertinnen und Experten in Deutschland bislang nicht konsequent genug genutzt. Die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben deshalb die Ergebnisse des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels vorgestellt. Darin empfehlen rund 50 Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Gesundheitswesen unter anderem, Prävention stärker in Schulen zu verankern, erfolgreiche Modellprojekte bundesweit auszurollen und kommunale Präventionsangebote auszubauen.

Besonderen Handlungsbedarf sehen die Expertinnen und Experten bei politischen Rahmenbedingungen, die gesundheitsbewusstes Verhalten erleichtern sollen. So wurden unter anderem höhere Steuern auf Tabak und Alkohol als wirksame Präventionsinstrumente diskutiert. Positiv bewertet wurden erste politische Signale wie die Gründung eines fraktionsübergreifenden „Parlamentskreises Prävention“ und eine Präventionsoffensive des Bundesgesundheitsministeriums. Die Initiatoren betonen jedoch, dass nun konkrete und langfristige Entscheidungen folgen müssten, um Krebsprävention nachhaltig zu stärken und das Gesundheitssystem langfristig zu entlasten.