Warum werden wir im Herbst oft krank?

Sobald die Temperaturen sinken, häufen sich die Erkältungskrankheiten. Doch nicht die Kälte allein macht krank. Warum Viren im Herbst leichtes Spiel haben, wie du vorbeugen und was du empfehlen kannst.

Kaum werden die Tage kürzer und die Temperaturen niedriger, scheint das Husten und Niesen überall zu beginnen. Im beruflichen und privaten Kontext kommt es dann vermehrt zu Erkältungsfällen. Doch warum ist das so? Viele Menschen sind fälschlicherweise davon überzeugt, dass vor allem die Kälte schuld daran ist. Tatsächlich steckt jedoch ein komplexes Zusammenspiel aus Viren, Umweltbedingungen und unserem Verhalten hinter der jährlichen Erkältungswelle.

Kälte allein macht nicht krank

Ein weitverbreiteter Irrtum hält sich hartnäckig: Wer friert, erkältet sich automatisch. Aus medizinischer Sicht stimmt das nicht. Erkältungen werden durch Viren ausgelöst, nicht durch niedrige Temperaturen. Mehr als 200 verschiedene Viren können eine Erkältung verursachen, wobei Rhinoviren zu den häufigsten Auslösern gehören.

Dennoch spielt Kälte indirekt eine Rolle. Kühle Luft kann die Durchblutung der Nasenschleimhaut beeinflussen. Gleichzeitig trocknen die Schleimhäute bei kalter Außenluft und trockener Heizungsluft leichter aus. Dadurch wird die natürliche Schutzfunktion der Atemwege geschwächt, sodass Krankheitserreger leichter eindringen können.

Viren profitieren vom Leben in Innenräumen

Der wichtigste Grund für die steigenden Infektionszahlen liegt nicht draußen, sondern drinnen. Mit Beginn des Herbstes verbringen Menschen deutlich mehr Zeit in geschlossenen Räumen. Dort kommen viele Personen auf engem Raum zusammen, während Fenster oft seltener geöffnet werden.

Respiratorische Viren verbreiten sich über Tröpfchen und teilweise über kleinste Partikel in der Luft. In schlecht gelüfteten Räumen können sich diese Partikel anreichern, was das Ansteckungsrisiko erhöht. Fachleute betonen deshalb die Bedeutung einer guten Belüftung von Wohn-, Schul- und Arbeitsräumen.

Gerade Klassenzimmer, Tageseinrichtungen, Großraumbüros oder öffentliche Verkehrsmittel bieten ideale Bedingungen für die Verbreitung von Erkältungsviren. Auch Apotheken dürften zu den Orten mit einem erhöhten Infektionsrisiko gehören: Am HV-Tisch treffen täglich viele Menschen mit akuten Erkältungs- und Atemwegsbeschwerden aufeinander, wodurch zwangsläufig auch eine größere Menge an Viren in die Raumluft gelangt. Wer sich täglich in solchen Umgebungen bewegt, kommt zwangsläufig mit mehr potenziellen Krankheitserregern in Kontakt.

Trockene Heizungsluft belastet die Atemwege

Sobald die Heizperiode beginnt, sinkt häufig die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen. Für unsere Schleimhäute bedeutet das zusätzlichen Stress. Sie trocknen schneller aus und können Viren weniger effektiv abwehren.

Die Schleimhäute von Nase und Rachen bilden normalerweise eine wichtige Barriere gegen Krankheitserreger. Werden sie trocken, funktioniert dieser Schutzmechanismus schlechter. Das erklärt, warum viele Menschen gerade in den ersten Wochen der Heizsaison anfälliger für Atemwegsinfekte sind.

Weniger Sonnenlicht, weniger Vitamin D?

Im Herbst werden die Tage kürzer. Dadurch produziert der Körper über die Haut weniger Vitamin D. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein Vitamin-D-Mangel mit einer erhöhten Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen zusammenhängen kann. Vitamin D spielt eine wichtige Rolle bei verschiedenen Immunprozessen.

Allerdings sind die Zusammenhänge komplex. Aktuelle Metaanalysen kommen zu dem Ergebnis, dass eine Vitamin-D-Supplementierung nicht automatisch jeden vor Erkältungen schützt. Besonders Menschen mit einem nachgewiesenen Mangel könnten jedoch profitieren.

Der Herbst verändert unseren Alltag

Auch unser Lebensstil trägt ebenfalls zur Erkältungswelle bei. Nach den Sommerferien kehren viele Menschen in einen strukturierten und oft stressigeren Alltag zurück. Berufliche Anforderungen nehmen zu, Kinder treffen in Schulen und Kindergärten auf viele neue Kontakte, und die Freizeit verlagert sich häufig von draußen nach drinnen.

Stress, Schlafmangel und Bewegungsmangel können das Immunsystem zusätzlich belasten. Wer dauerhaft zu wenig schläft oder sich nur wenig bewegt, hat häufig ein höheres Risiko für Infektionen der Atemwege. Hier findest du Tipps, wie du dein Schlafumfeld optimieren und die Qualität des Schlafs verbessern kannst.

Wer besonders gefährdet ist

Nicht alle Menschen sind gleichermaßen anfällig für Erkältungen. Kinder erkranken besonders häufig, weil ihr Immunsystem noch viele Erreger kennenlernen muss. Erwachsene haben im Durchschnitt zwei bis drei Erkältungen pro Jahr, Kinder oft deutlich mehr.

Auch ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem haben ein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen und deren Komplikationen.

So kommst du gesund durch den Herbst

Vollständig vermeiden lassen sich Erkältungen zwar nicht, das Risiko kann jedoch deutlich reduziert werden. Zu den wirksamsten Maßnahmen gehören regelmäßiges Händewaschen, ausreichender Schlaf, Bewegung an der frischen Luft und eine ausgewogene Ernährung.

Ebenso wichtig ist regelmäßiges Lüften. Frische Luft hilft dabei, die Konzentration von Viren in Innenräumen zu senken. Wer zudem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtet, unterstützt die Schleimhäute bei ihrer natürlichen Schutzfunktion.

Fazit

Der Herbst macht uns nicht direkt krank. Vielmehr treffen mehrere Faktoren zusammen: mehr Zeit in geschlossenen Räumen, trockene Luft, eine höhere Virenbelastung und Veränderungen im Alltag. Kälte allein löst keine Erkältung aus, kann die körpereigenen Abwehrmechanismen jedoch indirekt beeinflussen. Wer auf Hygiene, ausreichend Schlaf, Bewegung und regelmäßiges Lüften achtet, hat gute Chancen, gesünder durch die Erkältungssaison zu kommen.