Wochenrückblick: Impfsaison gestartet
Impfkampagne und Covid-Prophylaxe, neue Tipps zur Sturzprävention, bessere Jobchancen für Pharmazie-Nachwuchs und geplanter Schutz vor Gewalt: Hier kommt dein Wochenrückblick.
Apotheken werben zum Start der Impfsaison für Grippe- und Corona-Schutz
Mit Beginn der diesjährigen Impfsaison bieten viele Apotheken bundesweit wieder Impfungen gegen Influenza (Grippe) und COVID-19 an. Begleitend startet die ABDA ihre Kampagne „Bei euch piekt’s wohl“, um auf das Impfangebot in Apotheken aufmerksam zu machen. Nach Angaben der Apothekerschaft wurden in der vergangenen Saison knapp 220.000 Menschen in Apotheken geimpft, etwa doppelt so viele wie im Vorjahr. Gleichzeitig zeigt eine Umfrage, dass sich viele Menschen eine Impfung in der Apotheke vorstellen können, wenn sie von dieser Möglichkeit wissen.
Apotheken erhalten dafür umfangreiche Informations- und Werbematerialien. Die Kampagne wird in den kommenden Wochen über Social Media und ab November auch im öffentlichen Raum präsent sein. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Impfungen gegen Influenza und COVID-19 bestimmten Risikogruppen. Für die Grippeimpfung gilt der Zeitraum von Oktober bis Mitte Dezember als besonders geeignet, der Impfschutz baut sich innerhalb von etwa zwei Wochen auf.
Zokovea: Neue Option zur Covid-19-Prophylaxe nach Kontakt mit Infizierten
Mit Zokovea® (Ensitrelvir) steht in der EU erstmals ein weiterer antiviraler Wirkstoff zur Postexpositionsprophylaxe von Covid-19 zur Verfügung. Das Präparat des Herstellers Shionogi ist für Personen ab zwölf Jahren zugelassen und muss möglichst früh, spätestens jedoch innerhalb von 72 Stunden nach engem Kontakt mit einer SARS-CoV-2-infizierten Person begonnen werden. Ensitrelvir hemmt die Virusvermehrung über die 3CL-Protease und wirkt damit ähnlich wie Nirmatrelvir in Paxlovid, kommt jedoch ohne Ritonavir-Booster aus. Die Einnahme erfolgt über fünf Tage: Am ersten Tag werden drei Tabletten eingenommen, anschließend jeweils eine Tablette täglich.
Für Apothekenteams besonders relevant sind die zahlreichen Wechselwirkungen über CYP3A4, die eine sorgfältige Medikationsprüfung erforderlich machen. Zudem ist Ensitrelvir in der Schwangerschaft kontraindiziert; vor Therapiebeginn muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden und eine sichere Verhütung gewährleistet sein. Häufige Nebenwirkungen sind erhöhte Triglyzeridwerte, Kopfschmerzen, Durchfall und Übelkeit. Auch bei schwerer Leberfunktionsstörung wird die Anwendung nicht empfohlen.
Sturzprävention im Fokus: Aktualisierte BIÖG-Broschüren für ältere Menschen
Anlässlich des Internationalen Tags der älteren Menschen am 1. Oktober hat das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) seine kostenlosen Broschüren „Gleichgewicht und Kraft“ aktualisiert. Hintergrund ist das hohe Sturzrisiko im Alter: Fast jede vierte Person über 65 Jahre stürzt mindestens einmal pro Jahr. Die Materialien bieten verständliche Informationen und praktische Übungen, mit denen ältere Menschen ihre Kraft, Beweglichkeit und ihr Gleichgewicht verbessern und so ihre Selbstständigkeit länger erhalten können.
Für Apothekenteams besonders relevant ist der Hinweis auf den Einfluss von Arzneimitteln auf das Sturzrisiko. Insbesondere Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie problematische Arzneimittelkombinationen können Schwindel, Gangunsicherheit oder Muskelschwäche begünstigen. Das BIÖG empfiehlt deshalb eine regelmäßige Überprüfung der Medikation. Weitere Präventionstipps sind gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining, eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D zur Osteoporoseprophylaxe, regelmäßige Sehkontrollen sowie die Beseitigung von Stolperfallen im Wohnumfeld, etwa durch gute Beleuchtung, Handläufe und rutschfeste Unterlagen. Damit rückt die Apotheke einmal mehr als wichtige Anlaufstelle für die Sturzprävention in den Fokus.
Arbeitsmarkt trotzt dem Trend: Mehr Chancen für Pharmazie-Berufseinsteiger
Während sich der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger laut einer dpa-Meldung in vielen Branchen deutlich eingetrübt hat, zeigt sich die Pharmazie als positive Ausnahme. Eine Analyse der Online-Jobbörse Indeed ergab, dass die Zahl der Einstiegsstellen seit dem Rekordjahr 2022 insgesamt stark zurückgegangen ist. In den Bereichen Pflege, Medizin und Pharmazie stieg das Angebot jedoch um 18 Prozent an. Damit gehört die Gesundheitsbranche zu den wenigen Berufsfeldern, in denen Nachwuchskräfte derzeit bessere Chancen vorfinden als noch vor wenigen Jahren.
Nach Einschätzung der Indeed-Ökonomin Virginia Sondergeld ist vor allem die schwache Konjunktur für den Rückgang von Einstiegsjobs verantwortlich. Unternehmen würden in wirtschaftlich unsicheren Zeiten häufig zuerst bei der Nachwuchsgewinnung sparen. Für Apothekenteams ist die Entwicklung dennoch ein positives Signal: Angesichts des anhaltenden Fachkräftebedarfs dürften die Beschäftigungsaussichten für Pharmazie-Absolventinnen und -Absolventen sowie andere Berufseinsteiger im Apotheken- und Gesundheitsbereich weiterhin günstig bleiben.
Härterer strafrechtlicher Schutz für Heilberufler geplant
Wie die dpa berichtet, sieht ein Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums, über den das Bundeskabinett beraten will, für tätliche Angriffe auf Angehörige von Heilberufen eine Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten vor. In besonders schweren Fällen sollen sogar Freiheitsstrafen von einem bis zehn Jahren möglich sein. Von den neuen Regelungen erfasst wären unter anderem Apotheker:innen, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte. Bislang galten besondere Strafvorschriften für medizinisches Personal nur in bestimmten Bereichen wie Notaufnahmen oder dem ärztlichen Notdienst.
Hintergrund sind laut dpa die zunehmenden Übergriffe auf Menschen, die für das Gemeinwohl arbeiten. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) begründet die geplanten Änderungen damit, dass Beschäftigte in Praxen, Kliniken, Apotheken, im Nahverkehr und bei Rettungsdiensten besonderen Schutz verdienten. Der Gesetzentwurf soll daher nicht nur die Strafen verschärfen, sondern auch ein klares Signal gegen Gewalt und einen respektloseren Umgang in der Gesellschaft setzen.