Supplemente im Alter: Was macht Sinn, was nicht?

Weniger Appetit, mehr Medikamente: Im Alter kann die Nährstoffversorgung schwieriger werden. Welche Supplemente sind sinnvoll – und wann bergen sie eher Risiken?

Lebensstil und Medikamenteneinnahme im Fokus 

Wer älter wird, braucht nicht automatisch zusätzliche Vitamine. Viele gesunde ältere Menschen können ihren Bedarf über eine abwechslungsreiche Ernährung decken. Entscheidend sind jedoch Ernährungsweise, Gesundheitszustand und Lebensumstände. Bei veganer Ernährung ist beispielsweise Vitamin B12 dauerhaft zu ergänzen. In der Beratung sollte deshalb einen genauen Blick darauf geworfen werden, wie die Kundinnen und Kunden essen, leben und welche Medikamente sie einnehmen. 

Wenn kleinere Portionen mehr leisten müssen 

Mit abnehmender Muskelmasse und häufig weniger Bewegung sinkt im Alter meist der Energiebedarf. Der Bedarf an vielen Vitaminen und Mineralstoffen nimmt dagegen nicht entsprechend ab. Kleinere Portionen sollten deshalb möglichst nährstoffreich sein. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Milchprodukte helfen dabei. 

Auch ausreichend Eiweiß ist wichtig, um die Muskulatur zu erhalten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für gesunde, normalgewichtige Menschen ab 65 Jahren einen Schätzwert von täglich 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Frage bei geringer Essmenge nach Appetitverlust, Kau- oder Schluckbeschwerden und unbeabsichtigtem Gewichtsverlust. Solche Probleme brauchen eine Abklärung und gegebenenfalls gezielte Ernährungstherapie. Manchmal erschweren auch eingeschränkte Mobilität oder fehlende Unterstützung das Einkaufen und Kochen. Dann gehört zur besseren Versorgung vor allem praktische Hilfe im Alltag. 

Wann Vitamin D und B12 besondere Aufmerksamkeit brauchen 

Die Fähigkeit der Haut, Vitamin D zu bilden, nimmt im Alter ab. Wer außerdem kaum nach draußen kommt, hat ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Versorgung. Für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine generelle Supplementierung mit bis zu 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationalen Einheiten täglich zu erwägen. 

Bei Vitamin B12 können Veränderungen der Magenschleimhaut und eine geringere Magensäureproduktion die Aufnahme aus Lebensmitteln erschweren. Zusätzlich zählt die Ernährungsweise: Vegan lebende Menschen benötigen dauerhaft ein B12-Präparat. Bei vegetarischer Ernährung liefern Eier und Milchprodukte das Vitamin. Werden davon nur geringe Mengen gegessen, kann ebenfalls eine Ergänzung erforderlich sein. Bei veganer Ernährung oder sehr geringem Verzehr tierischer Lebensmittel sollte die Versorgung regelmäßig ärztlich überprüft werden. Bei nachgewiesenem Mangel müssen Dosierung und Behandlungsform auch berücksichtigen, ob eine Aufnahmestörung vorliegt. 

Wie Medikamente und Alkohol die Versorgung beeinflussen 

Auch die Dauermedikation kann Hinweise auf Versorgungsrisiken geben. Metformin und Protonenpumpenhemmer können die Vitamin-B12-Versorgung beeinträchtigen. Bei langfristiger Einnahme von Protonenpumpenhemmern sind außerdem niedrige Magnesiumspiegel möglich. 

Bei Diuretika lohnt sich die Unterscheidung: Schleifen- und Thiaziddiuretika können die Magnesiumausscheidung erhöhen, kaliumsparende Diuretika dagegen vermindern. Eine pauschale Empfehlung von Magnesium zur „Entwässerungstablette“ wäre deshalb unpassend. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, hängt auch von Ernährung, Erkrankungen und gegebenenfalls Laborbefunden ab. Der Begriff „Nährstoffräuber“ greift hier zu kurz: Die Einnahme eines Arzneimittels bedeutet keineswegs, dass zwangsläufig ein behandlungsbedürftiger Mangel entsteht. 

Regelmäßiger starker Alkoholkonsum kann insbesondere die Versorgung mit Vitamin-B1 gefährden. Neben einer häufig unzureichenden Ernährung spielen eine gestörte Aufnahme und Verwertung eine Rolle. Ein möglicher Mangel sollte ärztlich abgeklärt werden. 

Worauf es beim Präparate-Check ankommt 

Eine Ergänzung über den Bedarf hinaus bringt gut versorgten Menschen in der Regel keinen zusätzlichen Nutzen. Langfristig hohe Vitamin-B6-Dosen können Nervenschäden verursachen, zu viel Vitamin D kann über erhöhte Calciumwerte die Nieren schädigen. Magnesiumpräparate können Durchfall auslösen. Auch Eisen sollten insbesondere Männer und Frauen nach den Wechseljahren nur nach ärztlicher Rücksprache zusätzlich einnehmen. 

Hinzu kommen Wechselwirkungen: Calcium, Magnesium, Eisen und Zink können die Aufnahme bestimmter Antibiotika und Schilddrüsenmedikamente vermindern. Erforderliche Einnahmeabstände solltet ihr anhand des jeweiligen Arzneimittels prüfen. Vitamin K kann die Wirkung von Gerinnungshemmern des Cumarin-Typs abschwächen. 

Lass dir deshalb alle verwendeten Präparate samt Dosierung zeigen. Im Multivitamindragee, dem Magnesiumkomplex und dem „Nervenpräparat“ können dieselben Nährstoffe stecken. Gemeinsam mit deiner Kundschaft lässt sich so prüfen, welche Mengen insgesamt zusammenkommen und wo eine Rücksprache nötig ist.