PTA ist Lesepatin: Glück zwischen den Buchseiten
Neun Jahre, unzählige Geschichten und viele kleine Erfolgserlebnisse: Als Lesepatin begeistert die PTA im Ruhestand Monika Hoheisel Kinder für Bücher und erlebt dabei, wie Vorlesen Leben bereichern kann.
Vom Apothekenlabor in die Grundschule
Mittwochnachmittag in München: Während viele Ruheständler:innen ihre Freizeit genießen, steht Monika Hoheisel regelmäßig im Labor einer Apotheke und stellt Rezepturen her oder führt Identitätsprüfungen durch. Die 73-Jährige ist nach wie vor beruflich aktiv. Doch eine andere Aufgabe liegt ihr besonders am Herzen: Seit 2017 engagiert sie sich als Lesepatin für Grundschulkinder.
Der Wunsch, mit Kindern zu arbeiten, begleitete sie schon lange. Nach Jahren in öffentlichen Apotheken und später in einer Krankenhausapotheke suchte sie nach einer Möglichkeit, sich sozial zu engagieren. Zufällig stieß sie in einer Zeitung auf einen Bericht über Lesepatenschaften. Über eine Vermittlungsorganisation fand sie schließlich ihren Weg an eine Münchner Grundschule, wo sie seither einmal pro Woche parallel zum regulären Unterricht eine Schulstunde mit Kindern verbringt und vorliest.
Vom ersten Vorlesebuch bis zur eigenen Schulstunde
An ihren ersten Einsatz erinnert sich die PTA noch gut. Gemeinsam mit einem Mädchen aus der ersten Klasse las sie ein Buch über Tiere. Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich schnell mehr als nur gemeinsames Lesen. Später durfte sie sogar eine Unterrichtsstunde gestalten und von Spielen erzählen, die zu ihrer eigenen Schulzeit beliebt waren.

Monika Hoheisel ist PTA im Ruhestand und wohnt in München. Sie ist seit 2017 Lesepatin.
Für Hoheisel stand dabei nie allein das Buch im Mittelpunkt. Viel wichtiger war ihr, Kindern Aufmerksamkeit zu schenken und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten. „Ich möchte Kindern helfen, Lesen zu lernen“, sagt sie. Genau darin liegt bis heute ihre Motivation.
Zuhören, lesen, lachen
Eine typische Lesestunde beginnt nicht mit einem Buch, sondern mit einem Gespräch. Wie war das Wochenende? Was gab es in den Ferien zu erleben? Erst danach wird gelesen. Die Bücher wählen Hoheisel und die Kinder gemeinsam aus.
Denn jedes Kind bringt andere Interessen mit. Während Mädchen oft nach Geschichten über Pferde, Ponys oder Einhörner fragen, begeistern sich andere für Fußballabenteuer oder Sachthemen. „Etwas zu lesen, das das Kind nicht interessiert, macht beiden keinen Spaß“, berichtet die Lesepatin.
Die letzte Viertelstunde gehöre häufig Rätseln oder kleinen Spielen. Diese Mischung schaffe Vertrauen und mache die gemeinsame Zeit zu einem festen Highlight im Schulalltag.
Kleine Fortschritte, große Wirkung
Besonders bewegend seien für Hoheisel die langfristigen Entwicklungen, die sie begleiten darf. Ein Mädchen, das sie in der dritten Klasse übernahm, hatte zunächst große Schwierigkeiten beim Lesen. Ein Jahr später wären die Fortschritte so deutlich, dass der Wechsel aufs Gymnasium gelang.
Unvergessen sei auch die Begegnung mit einer ehemaligen Schülerin gewesen, die sie zufällig nach Ende der Patenschaft wiedersah. Das junge Mädchen erinnerte sich noch genau an die gemeinsame Zeit und sagte: „Es war ein schönes Jahr mit dir.“ Solche Momente dürften zeigen, dass Vorlesen weit über das Entziffern von Buchstaben hinausgeht.
Immer wieder überrasche sie außerdem, wie sehr sich die Kinder auf die wöchentlichen Treffen freuen. Die Vorlesestunde bedeute für viele weit mehr als zusätzliche Leseförderung. Sie schenkt Aufmerksamkeit, Verlässlichkeit und echtes Interesse.
Warum Apothekenteams viel beitragen können
Hoheisel sieht zwar nur wenige direkte Parallelen zwischen ihrem früheren PTA-Beruf und ihrer heutigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Lesepatin. Dennoch würden ihr Erfahrungen aus dem Handverkauf bis heute helfen. Der tägliche Umgang mit Familien und Kindern hat sie gelehrt, zuzuhören, einfühlsam zu reagieren und Vertrauen aufzubauen.
Gerade deshalb möchte sie auch andere Kolleg:innen ermutigen, sich als Lesepatin oder Lesepate zu engagieren. Der Einsatz sei überschaubar, die Wirkung dagegen enorm. „Man bekommt so viel zurück“, findet sie.
Besonders in einer Zeit, in der digitale Medien einen großen Teil des Alltags vieler Kinder prägen und Eltern sowie Großeltern heute wenig Zeit haben, hält sie das Vorlesen für unverzichtbar. Bücher eröffneten Fantasiewelten, förderten Sprache und vermittelten die Freude am Lesen.
Am Bundesweiten Vorlesetag erlebt sie diese Begeisterung jedes Jahr aufs Neue. Die gespannte Vorfreude der Kinder ist für sie das persönliche Highlight. Und aufhören? Daran denkt sie nicht. Solange ihre Gesundheit es zulässt, möchte sie weiterlesen.
Denn wenn sie nach einer Vorlesestunde in neugierige und strahlende Kindergesichter blickt, „bleibt vor allem ein Gefühl: Glück“.
Du möchtest Kindern die Freude am Lesen vermitteln und gleichzeitig etwas Sinnvolles in deiner Region bewegen? Dann werde selbst Lesepatin oder Lesepate. Dein kleiner Einsatz kann dazu beitragen, Lesekompetenz zu fördern, Selbstvertrauen zu stärken und Kindern wertvolle Aufmerksamkeit zu schenken. Wie bereichernd dieses Engagement sein kann, zeigt die Geschichte von Monika Hoheisel eindrucksvoll.
Am 20. November findet der nächste Bundesweite Vorlesetag statt. Vielleicht ist das der ideale Anlass, selbst aktiv zu werden. In unserem Beitrag erfährst du, wie du mitmachen und Kinder für Geschichten begeistern kannst.