Wochenrückblick: Männer leiden häufiger an Krankheiten

Impf-Aktionswoche, Streit um das Dispensierrecht, humanitäres Engagement von Apotheken sowie neue Erkenntnisse zu Männergesundheit und den Langzeitfolgen von Pandemiestress: hier kommt dein Wochenrückblick.

Impf-Aktionswoche: ABDA wirbt für mehr Impfungen in Apotheken 

Zur bundesweiten Impf-Aktionswoche des Bundesgesundheitsministeriums (9. bis 15. November) intensiviert die ABDA ihre Kampagne für Schutzimpfungen in Apotheken. Ziel ist es, die Bevölkerung über Grippe- und COVID-19-Impfungen aufzuklären und die Impfquoten zu steigern. Nach Angaben der ABDA ließen sich in der vergangenen Saison bereits knapp 220.000 Menschen in Apotheken gegen Influenza impfen. 

Begleitend zur Aktionswoche baut die ABDA ihre Kampagne „Bei euch piekt’s wohl“ über Online- und Social-Media-Kanäle aus und verweist auf die Möglichkeit, über die Kampagnen-Website Apotheken mit Impfangebot in der Nähe zu finden. Zudem soll das Impfangebot in Apotheken künftig weiter wachsen: Die im Sommer beschlossene Apothekenreform schafft die Grundlage für zusätzliche Impfleistungen. 

Notfallreform auf der Kippe: Länder äußern Bedenken zum Dispensierrecht 

Wie die Pharmazeutische Zeitung (PZ) berichtet, empfiehlt der Gesundheitsausschuss des Bundesrats mehrheitlich, wegen offener Streitpunkte bei der geplanten Notfallreform den Vermittlungsausschuss anzurufen. Kritisch sehen die Länder unter anderem die vorgesehenen Integrierten Notfallzentren (INZ) sowie das geplante ärztliche Dispensierrecht, das Ärztinnen und Ärzten die Abgabe bestimmter Arzneimittel ermöglichen würde. 

Nach Angaben der PZ warnen mehrere Länder vor ungeklärten arzneimittelrechtlichen Fragen, möglichen Parallelstrukturen in der Arzneimittelversorgung und wirtschaftlichen Folgen für Apotheken. Zudem stößt die geplante Wiedereinführung von Hilfsmittelausschreibungen auf Skepsis, da die Länder Versorgungsprobleme wie in der Vergangenheit befürchten. Ob die Notfallreform dadurch tatsächlich verzögert wird, entscheidet das Plenum des Bundesrats am 20. November. 

Apotheker ohne Grenzen sucht 100 Apotheken als dauerhafte Unterstützer 

Mit dem neuen Partnerprogramm „AoG-Supporter“ will Apotheker ohne Grenzen bis Ende 2026 mindestens 100 Apotheken als langfristige Unterstützer gewinnen. Hintergrund sind nach Angaben der Hilfsorganisation rückläufige Unternehmensspenden, die eine verlässliche Finanzierung von Nothilfe- und Gesundheitsprojekten zunehmend erschweren. Die Organisation setzt sich unter anderem für eine bessere pharmazeutische Versorgung in Burundi, der Ukraine und Nepal ein und unterstützt auch Menschen in Deutschland, die keinen ausreichenden Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. 

Apotheken können das Engagement über verschiedene Supporter-Stufen ab 600 Euro pro Jahr unterstützen und ihre Partnerschaft mit Kommunikationsmaterialien, einem digitalen Badge oder einer Erwähnung auf der Website sichtbar machen. Mit dem Programm möchte Apotheker ohne Grenzen eine planbare finanzielle Grundlage für seine humanitäre Arbeit schaffen und die Zusammenarbeit mit Apotheken langfristig stärken. 

Forschungsbericht: Warum Männer häufiger krank werden und früher sterben 

Eine neue The Lancet-Serie zur Männergesundheit zeigt, dass Männer weltweit eine kürzere Lebenserwartung und eine höhere Krankheitslast als Frauen haben. Besonders häufig betroffen sind sie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Suchterkrankungen sowie Verletzungen durch Unfälle oder Gewalt. Auch die Suizidrate liegt bei Männern deutlich höher; bei Männern unter 50 Jahren zählt Suizid sogar zu den häufigsten Todesursachen. Alarmierend sei zudem die Situation vieler Jungen und junger Männer, deren Gesundheit und Wohlbefinden zunehmend unter schlechteren Bildungschancen und wirtschaftlicher Unsicherheit leiden. 

Die Forschenden betonen, dass diese Unterschiede nicht allein biologisch bedingt sind. Vielmehr spielen gesellschaftliche Rollenbilder und traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit eine große Rolle. Verhaltensweisen wie Rauchen, riskanter Alkoholkonsum oder die Zurückhaltung, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, können gesundheitliche Risiken verstärken. Die Autorinnen und Autoren fordern deshalb einen empathischeren und gezielteren Blick auf die Gesundheit von Jungen und Männern. Mehr Aufmerksamkeit für Männergesundheit solle dabei nicht auf Kosten von Frauen gehen, sondern die gesundheitliche Chancengleichheit insgesamt verbessern. 

Pandemiestress hinterlässt Spuren: Jugendliche altern biologisch schneller 

Forschende des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie haben erstmals untersucht, wie sich der Stress während der COVID-19-Pandemie auf die sogenannte epigenetische Alterung auswirkt. Dafür analysierten sie DNA-Proben von mehr als 1.000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor und nach den Lockdowns. Das Ergebnis: Die Pandemie beschleunigte bei allen Altersgruppen das Tempo der epigenetischen Alterung, die mit einem langfristig erhöhten Risiko für Erkrankungen wie Krebs oder Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht wird. 

Besonders betroffen waren Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren. Bei ihnen standen sowohl die wahrgenommene Belastung durch die Pandemie als auch der Mangel an sozialen Kontakten in engem Zusammenhang mit einer beschleunigten biologischen Alterung. Zudem zeigte die Studie, dass vor allem Menschen mit bereits bestehenden gesundheitlichen, sozialen oder wirtschaftlichen Belastungen besonders anfällig für pandemiebedingten Stress waren. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis darauf, dass gesellschaftliche Krisen messbare biologische Folgen haben können und Jugendliche dabei eine besonders vulnerable Gruppe darstellen.