Ozempic und das liebe Geld

Ozempic steht momentan ziemlich im Mittelpunkt: Erste gefälsche Präparate sind aufgetaucht. Unsere Apothekenspitzelin hat sich darüber so ihre Gedanken gemacht. Welche Folgen der Hype für die persönliche Vermögensplanung haben könnte, bezieht sie ebenfalls in ihre Betrachtung ein...

Irgendwie dreht sich ja doch immer alles nur ums Geld. Wir selbst sehen das seit Jahren an der ausbleibenden Erhöhung des Honorars, die Herr Lauterbach den Apotheken mit dürftigen Argumenten vorenthält. Wir sehen es an der Inflation, die unsere Gehälter schmelzen lässt wie Eis in der Sonne und deretwegen unsere geschätzte Gewerkschaft geradezu verwegene zehn Prozent Aufschlag forderte – dafür Danke, liebe Adexa. 

Wir sehen es an den Maßnahmen gegen die Medikamentenknappheit, deren eine lautet, dass die Hersteller höhere Preise verlangen dürfen, damit sie auch ausreichend herstellen, was zurzeit noch knapp ist.

Und wir sehen es an Ozempic 

Hä? 

Ja doch. Und zwar gleich doppelt.

Erstens: Bekanntermaßen ist der darin enthaltende Wirkstoff Semaglutid nicht nur eine Waffe gegen Diabetes, was für sich allein ein starkes Argument pro Ozempic ist, sondern auch gegen Fettleibigkeit und Übergewicht. Das hat zunächst die Prominenz in den USA in einen Taumel versetzt, denn geworben wird mit einer scheinbar anstrengungslosen Schlankheit, wenn auch nur im Off-Label-Use. Was aber niemanden stört. Via Social Media schwappte die Kunde vom neuen Wundermittel auch zu uns und nun möchten viele Patienten hierzulande ebenfalls ein wenig flotter Pfunde loswerden.

Kurz: Das Medikament wurde rasch so erfolgreich, dass mittlerweile die Maßgabe gilt, Apotheken mögen es ausschließlich dann abgeben, wenn die Diagnose auch wirklich „Diabetes“ lautet. Der Markt signalisiert also einen Mangel an Ozempic. Und da Mangel die Aussicht auf Gewinne steigen lässt, kam es nun wie es kommen musste: Die ersten Fälschungen des Medikaments sind aufgetaucht, wie das BfArM am Mittwoch mitteilte. Jedenfalls seien bei einem Großhändler im Südwesten – oder auch in Österreich, so ganz klar ist das noch nicht – imitierte Pens gefunden worden, die in Farbe und Bauweise nicht dem Original entsprechen. Ob auch was anderes drin ist, steht wohl noch nicht recht fest. Eine erhebliche Gesundheitsgefährdung ist möglich, teilte das BfArM mit.

Jetzt sollen wir in der Apotheke schön die Augen offenhalten und vor Abgabe jede Packung öffnen, damit sichergestellt ist, dass keine gefälschte Ware abgegeben wird. Na klar, gern, machen wir, man ist ja für jede Zusatzaufgabe, und sei sie noch so klein, dankbar in diesen Zeiten, liebe Pfuscher und Fälscher! Verdammt, hättet ihr fürs Geldscheffeln nicht bei euren Viagra-Klonen bleiben können…? 

Zweitens: Bekanntermaßen ist der darin enthaltende Wirkstoff Semaglutid nicht nur eine Waffe gegen Diabetes, was für sich allein ein starkes Argument pro Ozempic ist, sondern auch gegen Fettleibigkeit und Übergewicht ääähh – hatte ich das schon gesagt? Na, egal – es ist eben auch wichtig für den zweiten „Es dreht sich alles ums Geld-Fall“ im Zusammenhang mit Semaglutid. Der bringt es mit sich, dass in den USA seit kurzem einigen Leuten kräftig die Knie schlottern: den Managern der Lebensmittel- und Ernährungsindustrie. In deren Chefetagen bereitet die verblüffende Wirksamkeit von Semaglutid größte Sorge, wie die Deutsche Presseagentur in dieser Woche berichtete.

Denn das Mittel verringert auch den Appetit auf Chips und Burger, und deshalb sind die Umsatzaussichten von McDonalds, Walmart und Pepsico plötzlich viel düsterer als in der Vor-Ozempic- und Wegowy-Zeit. Schon seien die Aktienkurse unter Druck geraten. Wer keinen Appetit oder Hunger hat, der kauft eben auch weniger! Logisch, oder? Selbst die Anbieter von kalorienreduzierten Diätgerichten fürchten um ihre Pfründe, denn auch hier gilt: Warum Kalorien im Essen sparen, wenn man erst gar nichts essen mag? Ähnliches gilt für die Hersteller von Restaurant-Ausstattung oder Lieferdienste. Die prognostizierten Umsatzrückgänge belaufen sich auf 25 Mrd. Dollar, berichtet die dpa. Nun ja, das ist kein Pappenstil, aber killen wird das die US-Lebensmittelindustrie nicht. Ich werde meine McDonalds-Aktie (😊) dennoch verkaufen, denn in den Strudel hineingerissen werden – nein, das möchte ich nicht…

Das dadurch freiwerdende Kapital könnte ich stattdessen in Anteilsscheine der Fluggesellschaft United Airlines investieren. Eine findige Analystin hat ausgerechnet, dass, nähme jeder Fluggast im Zuge des Semaglutid-Gebrauchs durchschnittlich fünf Kilo ab, Kerosin im Wert von 80 Millionen Dollar eingespart werden könnte. Was den Aktienkurs natürlich steigen ließe…  

Ich glaube, ich schichte um von McDonald zu United Airlines, die hat Zukunft. Und an euch eine Bitte, liebe Amerikaner: Immer schön Ozempic nehmen, denn gerade ihr wisst ja, es dreht sich immer alles nur ums Geld!