Faktencheck – was pflanzliche Mittel bei Erkältungen wirklich leisten

Kann Echinacea Erkältungen tatsächlich verhindern? Sind pflanzliche Heilmittel gegen Erkältungen in der Schwangerschaft sicher? Und wie wirksam sind Meerrettich, Salbei oder Manuka-Honig?

Der Herbst spült viele Erkältungspatienten in die Apotheke. Viele greifen zu pflanzlichen Mitteln und fragen sich, welche wirklich helfen. AMIRA klärt verbreitete Mythen auf und optimiert deine Beratung zu pflanzlichen Mitteln.

Echinacea verhindert Erkältungen

Falsch: Echinacea, also Purpursonnenhutkraut, kann die Dauer und Schwere von Erkältungen verringern, aber es gibt keine ausreichenden Belege dafür, dass es Erkältungen tatsächlich verhindern kann. Zubereitungen aus Echinacea purpurea stimulieren das unspezifische Immunsystem, etwa durch die Phagozytose von Makrophagen und die Aktivierung natürlicher Killerzellen.

Salbei hilft bei Halsschmerzen

Ja. Wirkung: Salbei hat entzündungshemmende und antiseptische Eigenschaften, die bei Halsschmerzen und Erkältungen helfen können. Er enthält etwa 1,5 % ätherisches Öl, wobei die wertbestimmenden Bestandteile α- und β-Thujon sind. Eine weitere Pflanze, die bei Halsschmerzen Anwendung findet, ist Isländisches Moos, das durch seine antibakteriellen und spasmolytischen Eigenschaften Entzündungen der Schleimhäute im Mund- und Rachenraum lindert.

Heilpflanzen sind sicher in der Schwangerschaft

Nein: Für Schwangere gibt es generell nicht genügend Studien, die die Sicherheit von Heilpflanzen belegen. Chemische Substanzen wie Ambroxol sind besser untersucht und eher geeignet, vor allem nach der 28. Schwangerschaftswoche. Trotzdem sollten Schwangere von ihrem behandelnden Arzt untersucht und die Einnahme von Medikamenten besprochen werden. In der Apotheke können statt Hustensäften Kräutertees mit Kamille, Pfefferminze oder Spitzwegerich empfohlen werden.

Efeu kann beim Abhusten helfen

Ja. Efeu ist eine wertvolle Heilpflanze, die in vielen Hustensäften enthalten ist. Wirkmechanismus: Die erhöhte Fluidität der Membranen macht die β-adrenergen Rezeptoren im Lungenepithel besser zugänglich, was zu einer Entspannung der Atemwege führt. Dies führt zu einer sekretolytischen, spasmolytischen und entzündungshemmenden Wirkung.

Meerrettich hilft bei Erkältungen

Ja. In dem Fertigarzneimittel Agnocin sind Meerrettich und Kapuzinerkresse enthalten. Die Wirkung wird auf pflanzliche Senföle zurückgeführt, die antimikrobiell und antiviral wirken sollen. Agnocin wird nicht nur bei Erkältungskrankheiten, sondern auch bei Harnwegsinfektionen eingesetzt.

Zitrone ist eine gute Quelle für Vitamin C

Nein. Zwar ist Zitrone eine Quelle für Vitamin C, aber es gibt andere Quellen, die deutlich mehr Vitamin C enthalten, zum Beispiel Hagebutte. Diese enthält 426 mg Vitamin C pro 100 Gramm, während Zitrone lediglich 54 mg pro 100 Gramm liefert.

Manuka-Honig wirkt bei Erkältungen

Vielleicht. Manuka-Honig, der aus dem Nektar des neuseeländischen Teebaums (Leptospermum scoparium) gewonnen wird, ist ein traditionelles Heilmittel der Maori. Er zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Methylglyoxal aus, das antibakterielle Eigenschaften haben kann. Manuka-Honig wird oft bei Halsschmerzen verwendet, aber der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig erforscht. Zudem ist Manuka-Honig viel teurer als andere Honigsorten und konventionelle Arzneimittel zur Bekämpfung von Halsschmerzen.

Rotalgen können Erkältungen minimieren

Ja. Carragelose, ein aus Rotalgen gewonnener Wirkstoff, ist in einem Nasenspray Algovir enthalten. Dieses wirkt, indem es eine schützende Schicht auf der Schleimhaut von Nase bildet. Diese Barriere bindet Viren wie zum Beispiel SARS-CoV-2 und verhindert so, dass sie in die Zellen eindringen und sich vermehren. Durch diese physikalische Blockade wird die Viruslast reduziert und das Infektionsrisiko gesenkt.

Pflanzliche Präparate sind nicht ausreichend wirksam

Nicht unbedingt. Spezialextrakte wie Myrtol (aus Eukalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenölen, z. B. Gelomyrtol® forte) und 1,8-Cineol (z. B. Soledum® forte) sowie Kombinationen aus Efeu und Thymian (z. B. Bronchipret® Saft) oder Primel und Thymian (z. B. Bronchipret Filmtabletten) haben in Studien gezeigt, dass sie im Vergleich zu Placebos einen schnelleren Heilungsverlauf ermöglichen.

Balsame zum Einreiben sind gut bei Erkältungen

Ja, viele Balsame sind vorteilhaft. Präparate wie Transpulmin, Pinimentol und Wick Vaporub enthalten ätherische Öle, die eine verstopfte Nase befreien und das Abhusten erleichtern.

Erkältungstees trinken verbessert den Krankheitsverlauf

Vielleicht. Bei Erkältungen ist es wichtig, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, sodass das Trinken von Erkältungstees vorteilhaft sein kann. Indes gibt es nicht genügend wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit von Erkältungstees. Allerdings ruft das Trinken Wohlbefinden hervor, und das ist wichtig für die Genesung.

Inhalieren mit ätherischen Ölen hilft

Ja, Inhalieren kann Erkältungssymptome lindern. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass bei Säuglingen und kleinen Kindern das Inhalieren mit ätherischen Ölen nicht empfohlen wird, da sie die Schleimhäute zu stark reizen können.