Gut beraten: Leber & Medikamente

Es ist bekannt, dass die Dosis das Gift macht. Doch in seltenen Fällen kann sogar die Standardtherapie toxisch wirken. Erfahre hier, welche Risiken bestehen und wie wie du Leberkranke vor versteckten Gefahren schützt.

Welche Faktoren führen dazu, dass Medikamente trotz korrekter Einnahme die Leber belasten können? In Teil I unserer zweiteiligen Serie hast du erfahren, warum nicht jedes Medikament bei Leberproblemen tabu ist und welche Mythen du getrost vergessen kannst. In Teil II geht es nun um seltene Risiken, die selbst bei korrekter Einnahme auftreten können.

Wann können selbst Standarddosierungen schaden?

In seltenen Fällen kann es auch bei korrekt verordneten Medikamenten zu Leberschäden kommen. Mögliche Ursachen:

  • verzögerter Stoffwechsel
  • genetisch bedingte Immunreaktionen
  • direkte toxische Effekte von Medikamenten

 

Ein höheres Lebensalter kann das Risiko zusätzlich erhöhen.

In solchen Fällen können Leberschäden laut den Expertinnen und Experten einen lebergesunden Menschen ohne Vorwarnung treffen, obwohl die Medikamente wie vorgeschrieben eingenommen wurden.

Risiken durch Überdosierung und unsachgemäße Anwendung

Einige Medikamente wurden in Fallberichten mit Leberschäden in Verbindung gebracht – etwa:

  • Paracetamol, Amiodaron, Valproinsäure, Statine, Cyclosporin, HIV-Medikamente, Heparin, Nikotinsäure, Tacrin

 

Auch hier handelt es sich um Fallberichte und die genannten Medikamente sind nicht als allgemeine „Verbotsliste“ zu verstehen. Denn ihre schädliche Wirkung könnte bei einzelnen Patienten auch durch unsachgemäße Anwendung, Wechselwirkungen oder Überdosierung entstanden sein.

Leberschäden trotz korrekter Einnahme

Auch bei korrekter Dosierung wurden in Einzelfällen Leberschäden beobachtet – z. B. bei:

  • Allopurinol, Amiodaron, Amoxicillin-Clavulansäure, Dantrolen, Diclofenac, Disulfiram, Felbamat, Fenofibrat, Flucloxacillin, Isoniazid, Ketoconazol, Lisinopril, Lapatinib, Methyldopa, Minocyclin, Nitrofurantoin, Phenytoin, Propylthiouracil, Statine, Sulfonamid, Terbinafin, Ticlopidin, Toclapon u. v. m.

 

Diese Fälle sind selten und dosisabhängig, aber ein Grund für erhöhte Aufmerksamkeit, besonders bei vorbestehenden Lebererkrankungen.

 

Bild: Deutsche Leberstiftung

Markus Cornberg ist Professor für Infektiologie mit dem Schwerpunkt Hepatologie und stellvertretender Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Sein klinisches Fachgebiet umfasst insbesondere die Behandlung infektiöser Lebererkrankungen. Er ist außerdem Medizinischer Geschäftsführer der Deutschen Leberstiftung.

Beraten statt beunruhigen

Generell gilt hier laut Professor Dr. Markus Cornberg aber, dass „selbst bei Paracetamol die Situation nicht immer so eindeutig“ sei. Denn hier mache oft erst die Dosis das Gift. „Es kann helfen nachzufragen, ob der Patient bzw. die Patientin in hepatologischer Betreuung ist. Im Zweifel kann der Leberspezialist die Begleitmedikation und die Aufnahmebedingungen des Wirkstoffs überblicken“, sagt der Experte.

Auch wenn viele Medikamente bei Lebererkrankungen eingenommen werden dürfen, ist ärztliche Rücksprache in bestimmten Fällen unerlässlich:

  • bei fortgeschrittener Zirrhose (Child-Pugh B/C)
  • bei unklaren Symptomen wie Gelbsucht, Verwirrtheit oder Wassereinlagerungen
  • bei ungewöhnlichen Reaktionen auf Medikamente

 

Vorsicht bei Onlineprodukten: Qualität zählt

Während bei zugelassenen Medikamenten und Generika nur selten Qualitätsmängel auftreten, ist bei Nahrungsergänzungsmitteln, Naturheilmitteln oder Anabolika aus unbekannten Onlinequellen besondere Vorsicht geboten. Laut Deutscher Leberhilfe können hier Zusammensetzung und Dosierung stark schwanken – teils wurden sogar Verunreinigungen mit Schwermetallen, Industriegiften oder nicht deklarierten Arzneistoffen nachgewiesen. Gerade bei bestehenden Gesundheitsproblemen sollten Kund:innen auf geprüfte Apothekenqualität setzen – und nicht auf fragwürdige Anbieter im Netz.