PTA = Hausmeister im Kittel?
Plötzlich sollen Fenster, Parkplatz und Grünanlage von den PTA geputzt werden. Mia und Juliana fragen sich: Was ist noch zumutbar – und wo ziehen wir klar die Grenze?
Zwischen HV und Hausmeisterdienst
Kurz vor Mittag. Die Offizin atmet durch, draußen weht ein Sturm die Reklamefahne hin und her. Mia stellt zwei Tassen Tee ab. „Hast du Lenas Nachricht gesehen?“, fragt sie und tippt aufs Handy. „Mitarbeiterbrief vom Chef: Ab sofort sollen die PTA in ihrer Apotheke die drei Meter hohe Fensterfront putzen, im Winter den Parkplatz schippen, die Grünanlage pflegen und die Müllentsorgung organisieren. Alles on top zum normalen Job versteht sich.“
Juliana lässt den Teebeutel fallen. „Ernsthaft? Was wollen die Chefs denn noch alles auf uns abladen – Dachrinne kehren, Kamin fegen und die Weihnachtsbeleuchtung draußen montieren?“ Mia schnaubt. „Dafür habe ich den Job nicht gelernt. PTA heißt Arzneimittel, Beratung, Rezeptur – nicht Fassaden- oder Landschaftspflege.“
Rechtliche Grauzone: Was ist noch zumutbar?
Sie setzen sich an den kleinen Pausentisch. Zwischen ihnen liegt der Checkzettel für Interaktionen, daneben eine Packung Handschuhe. „Die Frage ist doch: Darf der Chef das überhaupt?“, sagt Juliana. „Ich weiß, er kann Aufgaben verteilen, aber nur im Rahmen des Jobs und mit Augenmaß. Mal Regalböden wischen, klar. Aber eine dauerhafte Umwidmung zum Objektpfleger? Das sprengt den PTA-Tätigkeitsbereich denke ich.“

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Zeitfresser mit Risiko: Arbeitsschutz und Fachfremdes
Mia nickt. „Und es frisst Zeit genau da, wo’s zählt: am HV, bei Rückrufen, in der Rezeptur. Die Leute kommen nicht wegen unserer Fenster, sondern wegen unserer Beratung.“ „Außerdem“, ergänzt Juliana, „gibt’s aus anderen Branchen ja schon Entscheidungen, dass fachfremde Reinigungsdienste nicht einfach per Ansage geschuldet sind.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Und selbst wenn man mal hilft: Ab bestimmten Höhen gibt es auf jeden Fall strenge Arbeitsschutzvorgaben bei Arbeiten auf Leitern. Da gehören Profis ran.“
Mia schaut zur Schaufensterfront. „Ganz abgesehen davon, dass niemand von uns gerne auf einer wackeligen Leiter über dem HV turnt.“ Dann grinst sie schief: „Wenn der Chef unbedingt Landschaftspflege und Fassadenreinigung aus dem Team will, soll er auch den Stundenlohn eines Landschaftsgärtners oder Fassadenreinigers bezahlen. Ich wette, der liegt höher!“
Klare Kante zeigen
Juliana überlegt laut: „Sie sollten das Gespräch suchen. Was ist wirklich nötig, was lässt sich auslagern? Alles, was über gelegentliche Handgriffe hinausgeht, sollte klar geregelt werden.“ „Und wenn’s knirscht,“ ergänzt Mia, „den BvPTA oder die ADEXA einschalten. Freundlich bleiben, aber ganz klar Grenzen ziehen.“
Sie lehnt sich zurück. „Ich verstehe ja, dass überall gespart wird“, sagt Juliana. „Aber die Rechnung geht nicht auf, wenn wir die Versorgung stemmen, Lieferengpässe abfedern, Medikationsanalysen durchziehen – und nebenbei Parkplatz, Fenster und Hecke erledigen sollen.“ Mia lacht bitter. „Am Ende heißt es dann: ‚Warum dauert die Beratung so lange?‘ – Tja, weil wir vorher noch die Thuja geschnitten haben.“
Fenster geputzt, Hecke gestutzt – und zwischendurch vielleicht ein Rezept?
Kurz Stille. Draußen klingelt die Eingangstür, jemand fragt nach einem Inhaliergerät. „Und es ist kein Einzelfall“, sagt Juliana leiser, als der Kunde wieder draußen ist. „Neulich las ich, dass in großen Kliniken Pflegekräfte künftig Betten putzen sollen – eigentlich Service-Aufgaben. Man sieht: Die Versuchung, Arbeit zu verschieben, gibt’s überall. Aber genau deshalb müssen wir solche Auswüchse im Keim ersticken, bevor es plötzlich ganz normal wird.“
Mia steht auf, lächelt und wirft einen Blick zur Fensterfront. „Und wenn bei uns heute jemand unbedingt streifenfreie Scheiben will, dann darf er sie einfach selbst putzen. Wir haben hier noch genug Rezepte.“
AMIRA fragt: Musst du in der Apotheke Reinigungsaufgaben übernehmen? Wie stehst du zu dem Thema, was ist deine persönliche Grenze? Schreibe deine Meinung in die Kommentare!