Strom weg, Verstand auch?

Blackout in Berlin: Apotheken kämpfen im Dunkeln, während die Kammer stur auf Paragraphen pocht. Kolleg:innen sind fassungslos und fordern echte Hilfe statt Bürokratie. Ein Blick auf die Absurdität hinter den Gesetzen.

Ich sitze in meinem warmen, hell erleuchteten Wohnzimmer und scrolle durch die Nachrichten. Blackout in Berlin, Terroranschlag auf Stromleitungenzehntausende Haushalte ohne Strom – und mittendrin unsere Kolleg:innen in den Berliner Stadtteilen NikolasseeZehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Ich lese die Kommentare und denke: Das kann doch nicht wahr sein!

Wenn Paragraphen wichtiger sind als Realität

Ich merke immer wiederdass wir für solche Ausnahmesituationen nicht ausreichend vorbereitet sind. Klar, der Notdienst gehört zu unseren Aufgaben, das will ich gar nicht infrage stellen. Aber wenn die Infrastruktur angegriffen wird und das System fast zusammenbricht, muss man abwägen und flexibel sein. Das vermisse ich in unserem LandAnstatt die Notlage zu entschärfen und für kurzfristige Lockerungen zu sorgen, wird geschaut, ob die Apotheken noch alle Vorgaben zu 100 % erfüllen können. 

Die Verpflichtung zum Notdienst entfällt nicht automatischheißt es seitens der Apothekerkammer Berlin. Kein Strom, keine Kühlkettekeine Sicherheit – aber Hauptsache, die Gesetze werden eingehalten. Eine Kollegin schrieb: „Da legt jemand das Stromnetz lahm und die Antwort sind Gesetze. Ich fasse es nicht!“ Und ich kann ihr nur zustimmenRealitätsferner geht’s nicht.
 

Die Kammer im Elfenbeinturm 

Viele Kolleginnen sind wütend. „Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll!“, heißt es in den Kommentaren. Die Kammer diskutiert theoretischwährend vor Ort die Telematikinfrastruktur (TI) tot ist, die Notdienstklingel nicht funktioniert und die Kasse streikt.  Aber hey, Hauptsache, wir sind „dienstbereit“. Klingt wie Satire, ist aber Realität. Wie sollen wir denn ohne Strom dienstbereit sein? Kühlware: kaputt. Licht: aus. Kommissionierer: tut nichts. Aber das Personal steht bereit. Sehr hilfreich … Wir sollen also im Dunkeln warten, dass jemand kommt? 

Wie soll man denn mit solchen Rahmenbedingungen eine angemessene Arzneimittelversorgung gewährleisten? Ja, wir wissen, als Apotheker:in ist man nach der Bundes-Apothekerordnung dazu berufen, die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimitteln zu versorgen. „Er dient damit der Gesundheit des einzelnen Menschen und des gesamten Volkes“ – das liest sich so toll. Aber muss uns der Staat nicht dabei unterstützen?

 

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Systemrelevant? Heute nur noch Randnotiz 

Wir erinnern uns sicherlich alle noch an die Pandemie: da waren wir systemrelevant. Heute sind wir gefühlt nur noch Fußabtreter. Verbraucher sollten solche Themen hören! Es zeigt, wie wichtig ein dichtes Apothekennetz ist. Stattdessen: Bürokratie pur. Und während Arztpraxen im Sommer hitzefrei machen und sich nach Lust und Laune Brückentage frei nehmen sowie über Weihnachten geschlossen haben, sollen wir im Dunkeln sitzen und warten. Wenn es um sie geht, ist das Thema Versorgung anscheinend doch nicht so wichtig.
 

Was wir wirklich brauchen 

Was wir wirklich brauchen, ist Schutz für die Infrastruktur. Und weniger blinde Digitalisierung. Die ersten Tage dieses Jahres gab es ohnehin viele Papierrezepte, das habe ich auch von Kolleg:innen gehört. Jetzt sollen wir Notstromaggregate selbst besorgen? Laut Grundgesetz hat der Staat die Pflicht, die Versorgung sicherzustellen. Aber hier? Fehlanzeige. Vor allem bezweifle ich, dass ein Notstromaggregat gar nicht ausreicht, um die komplette Apotheken-Infrastruktur am Leben zu erhalten.

Bei mehreren Aggregaten braucht man ja auch eine große Menge an Benzin, mit so viel Gefahrstoff darf man ohne Anmeldung unn Genehmigung auch nicht durch die Gegend fahren. Der nächste Knackpunkt. Wahrscheinlich erhält man als Apotheke dann noch ein Bußgeldbescheid – ganz mein Humor. 

Viele Kolleginnen fordern deshalb: Schickt uns Notstrom! Unterstützt uns! Stattdessen wird die Verantwortung auf jede einzelne Apotheke abgewälzt. Mein Fazit: Weniger Paragraphenreiterei, mehr Realitätssinn. Sonst wird aus „systemrelevant“ bald „überflüssig“. Und das wäre eine Katastrophe – nicht nur für uns, sondern für alle, die auf ihre Medikamente angewiesen sind.

 

AMIRA fragt: Was denkst du: Sollten Apotheken in solchen Ausnahmesituationen mehr Unterstützung vom Staat bekommen? Welche Maßnahmen wären sinnvoll, um Apotheken in solchen Krisensituationen besser zu unterstützen? Teile deine Erfahrungen und Ideen – wie können wir gemeinsam für mehr Sicherheit und Realitätssinn sorgen?