Genetik vs. Speiseplan: Wer bestimmt den Cholesterinspiegel?
Immer mehr Kund:innen setzen auf Keto, Vegan und Co., um ihr Cholesterin zu senken. Doch welche Ernährungsweise wirkt wirklich – und wann spielt die Genetik eine größere Rolle als der Speiseplan?
Cholesterin und Ernährungstrends: Was bringen Keto, Vegan & Co.?
Erhöhte Cholesterinwerte gehören zu den häufigsten Themen in der Apotheke. Viele Menschen versuchen zuerst, ihren Lebensstil umzustellen – doch bei der Vielzahl moderner Ernährungstrends ist es nicht leicht zu entscheiden, was wirklich hilft. Hier findest du einen Überblick, wie verschiedene Ernährungsweisen auf das LDL-Cholesterin wirken und welche Rolle die Genetik dabei spielt.
Wie Cholesterin funktioniert
Dein Körper stellt den Großteil des Cholesterins selbst her. Entscheidend für das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist vor allem das LDL-Cholesterin, das sich in Gefäßwänden einlagern kann. HDL hingegen wirkt schützend. Die Ernährung beeinflusst diese Werte – aber nicht bei jeder Person gleich stark. Die schlechte Nachricht: Genetische Varianten können dazu führen, dass die Leber LDL schlechter abbaut. Dann helfen Ernährungsmaßnahmen nur begrenzt.

Bildquelle: (istock/Aamulya)
Vegane Ernährung: Pflanzenpower fürs LDL
Wer sich vegan ernährt, nimmt automatisch weniger gesättigte Fette und deutlich mehr Ballaststoffe auf. Beides verbessert das LDL-Profil. Studien zeigen, dass vegane und vegetarische Ernährungsformen das LDL um 10–25 % senken können.
Der Mechanismus: Ballaststoffe binden Gallensäuren im Darm – der Körper muss neue bilden und nutzt dazu Cholesterin.
Achte bei der Beratung deiner Kundschaft aber unbedingt auf kritische Nährstoffe wie Vitamin B12, Eisen und Omega-3.
Mediterrane Ernährung: der alltagstaugliche Goldstandard
Die mediterrane Diät gilt als eine der wirksamsten Ernährungsformen zur Cholesterinsenkung, und ist dabei auch alltagstauglich. Charakteristisch sind:
- viel Gemüse, Obst, Vollkorn
- Olivenöl als Hauptfettquelle
- Fisch statt rohem Fleisch
- Nüsse und Hülsenfrüchte
Sie senkt LDL moderat, erhöht gleichzeitig HDL und wirkt entzündungshemmend. Für die meisten Menschen ist die mediterrane Ernährung eine sehr empfehlenswerte Basis.

Bildquelle: (istock/fcafotodigital)
Low-Carb, Paleo und Keto: Hilfreich oder riskant?
Bei Low-Carb (moderate Kohlenhydratreduktion) verbessert sich das Lipidprofil oft vor allem durch Gewichtsabnahme. LDL kann sinken, Triglyzeride meist ebenfalls. Die ketogene Ernährung dagegen ist extrem fettbetont – und führt zu stark unterschiedlichen Reaktionen. Manche Menschen senken LDL und steigern HDL, andere reagieren als „Hyper-Responder“. Bei ihnen steigen die LDL-Werte drastisch an, teils um mehr als 100 %. Das Risiko hängt stark von der genetischen Regulation des LDL-Abbaus ab. Bei erhöhten Cholesterinwerten solltest du Keto nicht ohne regelmäßige Kontrolle der Laborwerte empfehlen.
Paleo setzt auf unverarbeitete Kost wie Gemüse, Eier, Fleisch, Nüsse und Früchte. Wenn der Fokus auf ungesättigten Fetten liegt, kann Paleo LDL tatsächlich senken. Wird diese Ernährungsform jedoch mit viel rotem Fleisch und gesättigten Fetten umgesetzt, steigt der LDL-Wert eher an. Der Effekt hängt also davon ab, wie Paleo im Alltag aussieht.
Genetik: Hohe Werte trotz guter Ernährung
Nicht jeder reagiert gleich bei einer Ernährungsumstellung und das liegt häufig an der Genetik. Studien zeigen, dass 7–60 % der LDL-Unterschiede zwischen Menschen genetisch erklärbar sind.
Monogene Ursachen – familiäre Hypercholesterinämie (FH): Bei der klassischen FH liegt eine Mutation in einem der Gene LDLR, APOB oder PCSK9 vor. Diese Gendefekte führen dazu, dass LDL kaum noch aus dem Blut entfernt wird. Etwa 40 % der klinisch diagnostizierten FH-Fälle lassen sich genetisch eindeutig bestätigen. Seltener sind Mutationen in anderen Genen beteiligt. Betroffene haben oft LDL-Werte > 190 mg/dL – und das schon in jungen Jahren. Ohne Therapie ist das Risiko für Herzinfarkt um das Vier- bis Siebenfache erhöht.
Polygenetische Hypercholesterinämie – die häufigste Form: Bei den meisten Menschen liegen viele kleine Genvarianten vor (SNPs), die sich summieren und den Cholesterinspiegel moderat erhöhen. Insgesamt spielen über 80 Gene bei der LDL-Regulation eine Rolle. Hier zeigt sich auch, warum manche Menschen selbst bei ungünstiger Ernährung niedrige LDL-Werte behalten – und andere trotz guter Ernährung erhöhte Werte haben.
Genetik vs. Lebensstil
Auch wenn die Gene eine große Rolle spielen: Ernährung, Bewegung und Gewichtsmanagement können das LDL deutlich senken und genetische Risiken merklich abschwächen. Wenn die Werte trotz guter Ernährung kaum sinken, solltest du an eine genetische Ursache denken und zur ärztlichen Abklärung motivieren. Vegane und mediterrane Ernährungsweisen wirken am zuverlässigsten LDL-senkend, denn auch der Lebensstil bleibt ein entscheidender Einflussfaktor.