Rosenmontag: Helau vs. Hallo Dienstplan

Rosenmontag spaltet Teams: Manche feiern, andere wollen normal arbeiten. Bei uns klappt der Kompromiss, doch meine Freundin Leyla steckt im Chaos. Warum Wertschätzung und Arbeitsrecht oft nicht zusammenpassen.

Der 13‑Uhr‑Kompromiss: Wir sind gut gelaunt 

Ich liebe Rosenmontag. Nicht unbedingt wegen der größten Party des Jahres, sondern wegen der Stimmung im Team: ein bisschen ausgelassen, ein bisschen glitzernd, ein bisschen „Wir schaffen das schon.“ In unserer Apotheke haben wir Glück. Unser Chef weiß, dass wir Karneval mögen – einige mehr, andere weniger –, und er hat dieses Jahr wieder entschieden, am Rosenmontag nur bis 13 Uhr zu öffnen. Kein Drama, kein Gerangel um Dienste, einfach ein kleiner gemeinsamer Kompromiss.

Alle im Team waren einverstanden. Für die einen bedeutet der freie Nachmittag „Kostüm an, raus auf die Straße“. Für mich heißt es: ein paar Stunden durchschnaufen, bevor ich mich ins bunte Getümmel stürze. Und ja – wir wissen, dass Rosenmontag kein gesetzlicher Feiertag ist. Wir wissen auch, dass der Chef uns nicht freigeben müsste. Umso schöner, dass er es trotzdem tut.

Andere Apotheken, andere Sitten

Vor ein paar Tagen vibrierte mein Handy. Es war eine WhatsApp von meiner Freundin Leyla, die eine Apotheke in einer anderen Stadt besitzt. Sie schrieb: „Meine Mitarbeiterin fragte mich, deshalb frage ich jetzt dich: Wie arbeitet ihr Rosenmontag? Minusstunden: ja oder nein?“

Ich erzählte ihr von unserer 13‑Uhr‑Regelung, sie sagte, dass sie regulär öffnen wird. Sofort kam die nächste Nachricht: „Die Leute sind echt unverschämt. Meine Mitarbeiterinnen haben mir geschrieben ‚wir sind alle unzufrieden damit‘.“ Leyla war hörbar genervt. Sie erzählte weiter: „Ich habe ihnen gesagt, dass sie dann in der Apotheke aufräumen sollen. Sie klagen doch sonst ständig darüber, dass man Zeit für nichts hat. 
Oder sie sollen Minusstunden machen, ist mir egal.“

Spätestens da wurde mir klar, wie unterschiedlich Rosenmontag in Apotheken erlebt wird. Während bei uns der Chef Entgegenkommen zeigt, besteht Leyla auf einem „normalen Betrieb“. Das Team aber möchte frei oder zumindest früher Schluss machen – und die Stimmung kippt.

„Ich komme denen schon sehr entgegen“, schrieb sie weiter, „jeder kriegt frei, wann er will, ich bin da ja schon sehr flexibel.“ Und dann der Satz, der alles auf den Punkt bringt:

„Meine Mitarbeiterinnen erwarten von mir, dass ich mich bei denen bedanke, dass sie an Rosenmontag arbeiten kommen dürfen. Dabei ist das doch kein gesetzlicher Feiertag.“

Recht trifft Realität

Tatsächlich hat Leyla mit einem Punkt absolut recht: Juristisch gesehen ist Rosenmontag schlicht ein ganz normaler Arbeitstag. ADEXA schreibt dazu sehr klar, dass Karnevalstage keine gesetzlichen Feiertage sind und deshalb grundsätzlich eine Arbeitspflicht besteht. Das gilt für Rosenmontag genauso wie für Weiberfastnacht oder den Veilchendienstag.

Schließt eine Apotheke freiwillig – wie unsere – liegt das in der Entscheidung der Apothekenleitung. Und wichtig: Wenn der Chef schließt, dürfen keine Minusstunden entstehen. Dann gilt Annahmeverzug, und das Gehalt läuft weiter. Mitarbeitende können aber in einer geschlossenen Apotheke durchaus zur Arbeit eingeteilt werden, zum Beispiel für Inventur oder Backoffice‑Arbeiten. Urlaub erzwingen geht übrigens auch nicht.

All das wusste Leyla – aber emotional half es ihr nicht weiter. Ihrem Team schrieb sie: „Es ist überall viel los. Ich kann mich ja nicht dafür bedanken, dass während der normalen Arbeitszeit regulär gearbeitet wird. Ihr werdet jetzt sagen, das ist Wertschätzung – JA, aber das gilt ja für beide Seiten.“

Und dann noch ein Satz, der mich nachdenklich gemacht hat:

„Das Witzige ist auch, dass fast keiner von meinen Mitarbeiterinnen Karneval feiert.“

Ich musste lachen und gleichzeitig schlucken. Manchmal prallen Vorstellungen schlicht aufeinander: Die Inhaberin denkt an Regelbetrieb, Verantwortung, Umsatz. Das Team denkt an Brauchtum, Stimmung oder einfach den Wunsch nach einem freien Tag – unabhängig vom eigenen Bezug zum Karneval.

Reden statt rumpeln

Je länger ich mit Leyla schrieb, desto deutlicher wurde: Der Konflikt hatte weniger mit Karneval zu tun als mit Erwartungen, die nie ausgesprochen wurden. Wertschätzung fühlt sich eben nicht für alle gleich an. Für uns im Team war die frühe Schließung ein Zeichen von Vertrauen und Rücksicht. Für Leyla fühlte sich die Forderung nach Freistellung an wie Undankbarkeit – schließlich gibt sie ihrem Team an Heiligabend und Silvester frei, „ganz ohne Diskussion bzw. ohne Wenn und Aber“, wie sie schrieb.

Ich versuchte, ihr vorsichtig zu sagen, dass Wertschätzung nicht heißt, dass man sich „bedanken muss, dass jemand arbeiten kommt“. Aber dass ein Satz wie „Danke euch, dass ihr morgen den Laden schmeißt“ die Stimmung deutlich entspannen kann – ganz ohne Rechtsgrundlage.

Am Ende unseres Chats meinte sie: „Ich habe gesagt, dass wir normalen Betrieb haben. Das wollen sie aber nicht akzeptieren.“ Vielleicht, dachte ich, geht es gar nicht ums Akzeptieren, sondern ums Gefühl, Teil einer Entscheidung gewesen zu sein.

Mein rosiges Fazit: Ein Glas auf alle!

Rosenmontag bringt jedes Jahr neue Diskussionen, weil Herz, Brauchtum und Gesetzestext selten dieselbe Sprache sprechen. Und vielleicht ist genau das die Herausforderung: zu erkennen, dass zwischen Verpflichtung und Verständnis ein Raum liegt, den wir im Apothekenalltag füllen müssen. Ich bin dankbar für unseren Kompromiss. Und ich hoffe, dass Leyla und ihr Team auch einen finden – vielleicht nicht dieses Jahr, aber irgendwann.

Bis dahin erhebe ich mein Glas – egal ob Alt, Kölsch, Schorle oder Tee – auf alle, die Rosenmontag arbeiten, feiern, diskutieren oder einfach nur durchhalten. Ein fröhliches Alaaf, Helau oder Hallo und passt gut auf euch auf!