Der Osterhase wäre stolz auf mich
Suchen für Profis: In der Apotheke sucht unsere Apothekenspitzel:in alles – vom richtigen Medikament bis zum verschwundenen Kugelschreiber. Eine Kolumne über die Kunst des Findens.
Suchen als Lebensgefühl
Ostern erinnert mich jedes Jahr daran, dass ich im Grunde eine professionelle Sucherin bin. Während andere sonntags entspannt über den Rasen stapfen und bunte Eier im Gebüsch aufstöbern, suche ich (nicht nur) im Apothekenalltag mindestens genauso intensiv, nur eben nach anderen Dingen. Und meist mit deutlich weniger Schokolade am Ende.
Ich suche Packungen, die laut Computer eigentlich da sein müssten. Ich suche Anfragen im Reiter „Sonstiges“, die jemand liebevoll, aber kryptisch hinterlassen hat. Und ich suche meinen Kugelschreiber. Ständig. Ich bin überzeugt, er führt ein Doppelleben. Wahrscheinlich lebt er in einer kleinen WG mit all meinen verschwundenen Kollegen-Stiften und kommt nur zurück, wenn er dringend unterschrieben werden möchte.
Versteckspiele im Berufsalltag
Die Apotheke ist ein gigantisches Wimmelbuch. Wer glaubt, wir wüssten immer ganz genau, wo jede Schachtel steht, hat noch nie erlebt, wie ich hochkonzentriert vor dem Regal stehe und doch kurz zweifle, ob die N2-Packung heute nicht vielleicht spontan Maß und Farbe gewechselt hat. Die Hersteller lassen sich ja gerne mal neue Sachen einfallen …
An manchen Tagen habe ich das Gefühl, die Medikamente spielen „Reise nach Jerusalem“. Eben noch da, jetzt weg, und plötzlich taucht eine 100er-Packung auf dem Abholregal auf, obwohl ich eine 20er suche. Das ist dann ungefähr so befriedigend wie ein Osterei, das zwar hübsch bemalt, aber leider hohl ist.
Und mittendrin ich, mit einem Rezept in der Hand und dem Kundenblick im Nacken, der ausdrückt: Sucht sie gerade mein Medikament oder sucht sie sich selbst?
Die Königsdisziplin: Kugelschreibersuche
Ich habe aufgehört, zu zählen, wie oft am Tag ich frage: „Hat jemand meinen Kuli gesehen?“ Dieses Ritual ist im Team so fest verankert wie das Seufzen bei den Wörtern „Lieferengpass“ und „Rabattvertrag“. Ich wette, wenn man die verschollenen Kugelschreiber aller Apotheken Deutschlands zusammenlegen würde, könnte man damit problemlos einen mittelgroßen Osterhasen ausstatten, inklusive Ersatzohren.
Vor allem faszinierend: Ich verliere ihn immer in der Apotheke. Nie draußen, nie zu Hause. Wahrscheinlich würde ich ihn nicht einmal verlegen, wenn ich ihn in einem Schneesturm offen tragen würde. Doch in der Offizin? Zack – weg. Wie ein Osterei, das der Osterhase besonders gut versteckt hat.
Zum Glück kann man sich als Apothekenmitarbeiterin selbst beruhigen, denn im Büro steht unsere Sammelbox für neue Kugelschreiber. Jedes Mal wenn ich mich daran bediene, sage ich innerlich: „Oh, der hier schreibt gut, der ist jetzt mein Lieblingskugelschreiber“. Nach spätestens zwei Wochen ist dieser dann meistens auch wieder selbstständig „unterwegs“. 😉
Finden macht Spaß
Natürlich könnte man sagen: Es ist nur ein Stift. Es ist nur eine Packung. Es ist nur ein Klick im System. Aber hinter all diesen kleinen Suchmomenten steckt etwas Tieferes: unser Wunsch, Dinge zu lösen. Menschen weiterzuhelfen. Ordnung ins Chaos zu bringen – selbst an Tagen, an denen der Osterhase mehr Struktur hat als mein Kopf.
AMIRA und die Apothekenspitzel:in wünschen frohe Ostern und erholsame Feiertage!