Wochenrückblick: Sparpaket und WHO-Krebswarnung

Von Gesundheitsreform bis zur neuen STIKO-Empfehlung und dem WHO-Krebsreport: Der Wochenrückblick bündelt, das Wichtigste für Apotheken.

Neues zum Sparpaket

Das GKV-Sparpaket sorgte auch in dieser Woche für Diskussionen. Zwar wurden einzelne Punkte der Reform etwas entschärft, die Grundrichtung bleibt aber umstritten. Für Apotheken besonders relevant ist die geplante Erhöhung des Apothekenabschlags von 1,77 Euro auf 2,07 Euro. Damit würde ein Teil der gerade erst beschlossenen Honorarentlastung wieder aufgezehrt. Die Apothekerschaft kritisiert deshalb, dass Vor-Ort-Apotheken einerseits neue Aufgaben übernehmen sollen, andererseits aber erneut finanziell belastet würden. Auch aus anderen Bereichen des Gesundheitswesens kommt Widerstand: Praxen, Kliniken und Hersteller warnen vor zusätzlichem Druck auf eine ohnehin angespannte Versorgungslage.

Spitzentreffen zum Bürokratieabbau

Passend dazu fand im Bundesgesundheitsministerium ein Spitzentreffen zum Bürokratieabbau statt. Die ABDA forderte dort spürbare Entlastungen für Apotheken. Gemeint sind vor allem Vorgaben, die im Alltag viel Zeit kosten, ohne die Patientensicherheit tatsächlich zu verbessern. Dokumentation, Mehrfacherfassung, Retaxrisiken und komplexe Nachweispflichten binden Personal, das im HV, in der Rezeptur oder bei pharmazeutischen Dienstleistungen fehlt. Die Forderung passt gut zur aktuellen Reformdebatte: Wenn Apotheken künftig stärker in Prävention, Versorgung und Beratung eingebunden werden sollen, müssen die Abläufe auch praktisch leistbar bleiben.

CALOR-Liste nennt hitzebedingte Risiken durch Arzneimittel

Ein sehr konkretes Beratungsthema lieferte die Hitze. Die neu aufgegriffene CALOR-Liste soll Gesundheitsberufe dabei unterstützen, hitzebedingte Risiken der Arzneimitteltherapie besser einzuschätzen. Relevant sind unter anderem Diuretika, Antihypertensiva, Psychopharmaka, Anticholinergika, Insulin, Lithium und Wirkstoffpflaster. Für die Apotheke ist das mehr als ein saisonaler Hinweis: Hitze kann Dehydratation fördern, Nebenwirkungen verstärken, Kreislaufprobleme begünstigen und die Lagerung empfindlicher Arzneimittel erschweren. Besonders ältere Menschen, Pflegebedürftige, chronisch Kranke und Patientinnen und Patienten mit Polymedikation profitieren von gezielten Nachfragen und einfachen, klaren Empfehlungen.

Drogentote auch durch Arzneimittelmissbrauch

Auch der Drogenbericht 2025 hatte deutlichen Apothekenbezug. Im vergangenen Jahr starben erneut mehr als 2.000 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums; besonders problematisch bleiben Mischkonsum und synthetische Opioide. Für Apothekenteams ist dabei wichtig, dass nicht nur illegale Substanzen eine Rolle spielen. Auch Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel, Pregabalin oder sedierende Arzneimittel können im Mischkonsum gefährlich werden. Die Beratung zu Abhängigkeitspotenzial, sicherer Anwendung, Wechselwirkungen und Warnzeichen bleibt daher ein wichtiger Bestandteil der Arzneimittelabgabe – gerade bei Risikopatientinnen und -patienten oder auffälligen Verordnungsmustern.

Freie Apothekerschaft klagt gegen die Paritätische Stelle

Standespolitisch sorgte die Freie Apothekerschaft für Aufmerksamkeit. Sie hat nach eigenen Angaben Klage gegen die Paritätische Stelle eingereicht, weil diese auf Anfragen zum Umgang mit möglichen Rx-Boni ausländischer Versandapotheken nicht reagiert habe. Für den Apothekenmarkt ist das Thema deshalb brisant, weil es um Wettbewerbsbedingungen und die Frage geht, wie konsequent Verstöße verfolgt werden. Während Vor-Ort-Apotheken streng reguliert sind und Retaxationen schon bei formalen Fehlern fürchten müssen, wird bei ausländischen Versandapotheken seit Jahren über Boni, Rabatte und Kontrollmöglichkeiten gestritten.

STIKO streicht COVID-19-Basisimpfung

Auch bei den Impfempfehlungen gab es eine wichtige Änderung: Die STIKO empfiehlt Erwachsenen künftig nicht mehr grundsätzlich, eine COVID-19-Basisimmunität aufzubauen. Begründet wird das damit, dass inzwischen ein großer Teil der Bevölkerung durch Impfungen und Infektionen eine breite Immunität besitzt und schwere Verläufe bei gesunden Erwachsenen seltener geworden sind. Für die Beratung bleibt aber wichtig: COVID-19-Impfungen verschwinden damit nicht aus der Empfehlung. Eine jährliche Auffrischimpfung wird weiterhin für besonders gefährdete Gruppen empfohlen, darunter Menschen ab 75 Jahren, Personen mit bestimmten Grunderkrankungen, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie medizinisches Personal mit erhöhtem Risiko.

WHO warnt vor Anstieg der Krebsdiagnosen

Zum Schluss noch ein globales Präventionsthema: Die WHO warnt in ihrem aktuellen Krebsreport vor einem deutlichen Anstieg der weltweiten Krebsdiagnosen. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen könnten die jährlichen Neuerkrankungen bis 2050 nahezu doppelt so hoch liegen wie heute. Als Treiber gelten unter anderem Bevölkerungswachstum, Alterung, Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel und ungleicher Zugang zu Früherkennung und Therapie. Für Apotheken ist das ein guter Anlass, Prävention niedrigschwellig anzubieten: Rauchstoppberatung, Sonnenschutz, HPV-Impfung, Gewichtsmanagement, Bewegung, Hautcheck-Erinnerungen und die Motivation zur Teilnahme an Früherkennungsangeboten können im Alltag viel bewirken.