Wochenrückblick: Warken wechselt ins Kanzleramt
Personalwechsel im Bundesgesundheitsministerium, Neues zum Placeboeffekt und elektronischen Patientenakte, niedrige Gehälter in Apotheken und Trumps angekündigte Pharma-Zölle – hier kommt dein Wochenrückblick.
Merz baut Kabinett um: Linnemann übernimmt Gesundheitsministerium
Bundeskanzler Friedrich Merz hat einen größeren Umbau seines Kabinetts bestätigt: Die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken wechselt als Kanzleramtschefin ins Kanzleramt und wird damit die erste Frau in diesem Amt. Gleichzeitig übernimmt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann das Bundesgesundheitsministerium. Der Wechsel steht im Zusammenhang mit den personellen Veränderungen nach dem Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef, wie die tagesschau berichtet.
Warken kündigte an, ihre neue Aufgabe mit „voller Kraft“ und „Demut“ anzugehen und den Reformkurs der Bundesregierung fortzusetzen. Linnemann will die begonnenen Reformvorhaben im Gesundheitswesen weiterführen, darunter zentrale Projekte wie die geplante Pflegereform. Merz stellte zudem weitere personelle Veränderungen im Bundeskabinett in Aussicht; Medienberichten zufolge könnte es unter anderem auch im Verkehrsministerium zu einem Wechsel kommen.
Placeboeffekt: Das Gehirn nutzt mehrere Wege zur Schmerzlinderung
Der Placeboeffekt beruht offenbar nicht auf einem einzigen biologischen Mechanismus. Ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung der Universität Duisburg-Essen analysierte Hirnbildgebungsdaten von 409 Teilnehmenden aus 16 Studien und konnte zeigen, dass unterschiedliche Arten der Placebo-Schmerzlinderung auch unterschiedliche neuronale Signalwege aktivieren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.
Die Forschenden stellten fest, dass eine allein durch verbale Erwartungen ausgelöste Schmerzlinderung und eine durch zusätzliche positive Lernerfahrungen verstärkte Placeboanalgesie zwar teilweise dieselben Hirnregionen nutzen, zugleich aber auch spezifische Aktivitätsmuster aufweisen. Die Studie unterstreicht, dass Placeboeffekte keine bloß eingebildeten Verbesserungen sind, sondern mit messbaren Veränderungen der Hirnaktivität einhergehen. Langfristig könnten die Erkenntnisse dazu beitragen, körpereigene schmerzlindernde Mechanismen gezielter für therapeutische Zwecke zu nutzen.
Linda startet OTC-Eigenmarke mit Ibuprofen
Die Linda AG hat mit „Ibuprofen LINDA Apotheken“ ihr erstes OTC-Arzneimittel unter der eigenen Dachmarke eingeführt. Das Präparat mit 400 mg Ibuprofen ist ab sofort bundesweit in den LINDA Premium Apotheken erhältlich und wird von einer POS-Kampagne unter dem Motto „Gerne empfehlen wir jetzt auch uns“ begleitet. Ziel ist es, die Sichtbarkeit der Marke Linda im stark umkämpften OTC-Markt zu stärken.
Nach Angaben der Kooperation soll das neue Produkt den Apotheken ermöglichen, einen häufig nachgefragten Wirkstoff unter einer vertrauten Apothekenmarke anzubieten. Die Linda AG sieht den Start als Auftakt für eine breitere Eigenmarkenstrategie; bereits für dieses Jahr wird ein weiteres Produkt angekündigt. Entwickelt wurde die neue OTC-Linie gemeinsam mit den Gremien des MVDA e. V. und dem Großhändler Phoenix Pharmahandel, um die Positionierung und Wettbewerbsfähigkeit der Vor-Ort-Apotheken weiter zu unterstützen.
DAV und Softwarehäuser wollen ePA für Apotheken verbessern
Der Deutsche Apothekerverband (DAV) und der Bundesverband Deutscher Apotheken-Softwarehäuser (ADAS) haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um die Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) in Apotheken benutzerfreundlicher und effizienter zu gestalten. Hintergrund ist die neue Ausbaustufe der ePA, deren Pilotphase Mitte Juli gestartet ist. Dabei wird die elektronische Medikationsliste erweitert und der elektronische Medikationsplan (eMP) eingeführt.
Ziel der Zusammenarbeit ist es, die neuen Funktionen möglichst praxisnah in die Apothekensoftware zu integrieren. So sollen beispielsweise Wechselwirkungen bei der Rezeptbelieferung leichter erkannt und Änderungen von Dosierungen bei Lieferengpässen automatisch in Medikationsliste und Medikationsplan übernommen werden können. Nach Ansicht des DAV können schlankere digitale Prozesse die Arbeit in den Apotheken erleichtern, mehr Zeit für die Patientenberatung schaffen und gleichzeitig die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern.
Entgeltatlas 2025: PTA und Apotheker weiter unter dem Durchschnitt
Die Gehälter in Apotheken liegen weiterhin deutlich unter dem bundesweiten Medianentgelt. Nach aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit verdienten vollzeitbeschäftigte Apotheker:innen 2025 im Median 4217 Euro brutto pro Monat. PTA kamen dagegen lediglich auf ein Medianentgelt von 3316 Euro und lagen damit rund 900 Euro unter dem Durchschnitt. Zwar stiegen die PTA-Gehälter im Vergleich zum Vorjahr leicht an, der Abstand zum gesamtdeutschen Median bleibt jedoch groß. Zudem erhält ein Viertel der PTA weniger als 2761 Euro brutto monatlich.
Auch Apothekerinnen und Apotheker verdienen weniger als der Durchschnitt aller Akademikerinnen und Akademiker. Während Hochschulabsolventen laut Entgeltatlas ein Medianentgelt von 6146 Euro erzielen, liegt es bei Apothekerinnen und Apothekern bei 5404 Euro. Zudem bestehen weiterhin deutliche Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern: Männliche PTA verdienen im Median rund 360 Euro mehr als ihre weiblichen Kolleginnen, bei Apothekerinnen und Apothekern beträgt die Differenz sogar fast 700 Euro pro Monat. Die Zahlen unterstreichen die anhaltenden Herausforderungen bei Bezahlung und Fachkräftesicherung in Apotheken.
Trump kündigt Strafzölle von bis zu 200 Prozent auf Generika an
US-Präsident Donald Trump hat neue Strafzölle auf importierte Generika angekündigt, um Arzneimittelhersteller zu einer Produktionsverlagerung in die USA zu bewegen. Nach seinen Plänen bleiben Generika zunächst bis zum 1. August 2028 zollfrei. Anschließend sollen für ein Jahr Sonderzölle von 100 Prozent gelten, die danach auf 200 Prozent steigen sollen. Unternehmen erhalten damit eine Übergangsfrist, um Fertigungskapazitäten in den Vereinigten Staaten aufzubauen.
Mit den geplanten Maßnahmen verschärft Trump seinen wirtschaftspolitischen Druck auf die internationale Pharmabranche. Bereits zuvor hatte er hohe Zölle auf patentgeschützte Arzneimittel angekündigt. Nach Darstellung des US-Präsidenten sollen die Maßnahmen die heimische Produktion stärken, die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten verringern und langfristig die Medikamentenpreise in den USA senken. Details zur konkreten Umsetzung und zur rechtlichen Grundlage der angekündigten Zölle wurden bislang jedoch nicht genannt.