Bauchschmerzen: Alarmzeichen erkennen, sicher beraten

Akute Bauchschmerzen am HV? Dieser Leitfaden zeigt, wie du die wichtigsten Fragen stellst, die entscheidenden Red Flags erkennst und die geeignete Optionen für die Selbstmedikation auswählst

Bauchschmerzen – und nun?

Wenn jemand mit Bauchschmerzen an den HV tritt, entscheidet eine strukturierte, aber kurze Erstanamnese über den richtigen Weg. Kläre im Gesprächsfluss folgende Dinge ab:

  • Ort und Charakter der Schmerzen (Ober- oder Unterbauch, rechts, links, kolikartig, brennend, stechend),
  • den Beginn und Verlauf (plötzlich oder zunehmend, seit wann),
  • begleitende Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Durchfall oder Verstopfung sowie
  • Alarmzeichen wie Blut im Stuhl oder Teerstuhl. 

 

Frage nach typischen Auslösern wie fettigem Essen, Alkohol, Stress, Bewegung, Wärme, Mahlzeiten und Stuhlgang. Wichtig sind auch Vorerkrankungen (z. B. Ulkus, Reflux, Leber-/Gallen-/Pankreaserkrankungen), aktuelle Medikamente (hauptsächlich nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), GLP-1-Analoga, Antibiotika) und Sondersituationen wie Schwangerschaft, höheres Alter oder eine kürzliche Bauch-OP.

Red Flags: Wann ein Arztbesuch anzuraten ist

Sobald Red Flags, also Warnzeichen, auftreten, endet die Selbstmedikation und es braucht ärztliche Abklärung: 

  • starke, anhaltende oder zunehmende Schmerzen mit „Brettbauch“ und Abwehrspannung, Fieber,
  • wiederholtes galliges oder blutiges Erbrechen,
  • Blut im Stuhl oder Teerstuhl,
  • eine Schmerzübertragung in Brust oder Rücken mit Schweiß/Schwindel (Differenzialdiagnosen kardial/aortal) sowie
  • typische Konstellationen wie rechter Unterbauch mit Fieber/Übelkeit (Appendizitisverdacht) oder rechter Oberbauch mit Übelkeit und Fieber (Gallenwege). 

 

Bei Kindern, Schwangeren und Hochbetagten sollte die Schwelle zur Überweisung generell niedrig sein, ebenso bei Warnsignalen in einem chronischen Verlauf wie Gewichtsverlust, Anämie oder nächtlichen Schmerzen.


 
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Selbstmedikation: Was du wann empfehlen kannst

Liegt kein Alarmzeichen vor, lässt sich häufig mit nichtmedikamentösen Maßnahmen und wenigen bewährten OTC-Optionen helfen. Bei Gasen, funktionellen Krämpfen und Völlegefühl sind Ruhe und Wärme oft schon wohltuend; Simeticon/Dimeticon wirken lokal, werden nicht resorbiert und sind auch in der Schwangerschaft und Stillzeit gut vertretbar. 

Bei dyspeptischen oder refluxartigen Beschwerden bieten sich zunächst Antazida oder Alginat-haltige Präparate an, die eine physikalische Barriere gegen Rückfluss bilden. Wenn typische Refluxsymptome häufiger auftreten, kann kurzzeitig ein Protonenpumpenhemmer (PPI) aus der Selbstmedikation in Standarddosis erwogen werden. Das sollte klar zeitlich begrenzt bleiben (maximal 14 Tage und vorzugsweise morgens nüchtern). Bei ausbleibender Besserung gehört die Patientin/der Patient in ärztliche Hände. 

Krampfartige Unterbauchbeschwerden lassen sich – je nach Kontraindikationen – mit Butylscopolamin behandeln. Bei unkompliziertem akutem Durchfall hat die orale Rehydratation Priorität. Loperamid kommt allenfalls kurzzeitig in Betracht, in der Regel erst ab zwölf Jahren und ohne Fieber oder Blut im Stuhl. Verschlechtert sich der Zustand oder halten die Beschwerden an, muss ärztlich abgeklärt werden.

Besondere Patientengruppen

In Schwangerschaft und Stillzeit gilt: lieber früh abklären und in der Selbstmedikation nur gut erprobte Wirkstoffe nutzen. Simeticon/Dimeticon gelten als unproblematisch, Butylscopolamin wird als Spasmolytikum in der Schwangerschaft eingesetzt, und wenn ein PPI erforderlich ist, sind Omeprazol oder Pantoprazol die Standardoptionen. Dennoch sollte eine längerfristige Einnahme ärztlich begleitet werden. 

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Bei Kindern ist das Dehydratationsrisiko hoch: früh mit Rehydratationslösung beginnen und bei unklarem Bauchschmerz, Fieber, anhaltendem Erbrechen oder ausgeprägten Schmerzen konsequent verweisen. Ältere und multimorbide Menschen haben ein höheres Risiko für ernste Ursachen und arzneimittelbedingte Komplikationen (Ulkus unter NSAR (insbesondere Acetylsalicylsäure), Obstipation unter Opioiden), weshalb hier großzügig überwiesen werden sollte.

Das solltest du zusätzlich beachten

Zur sicheren Beratung gehört auch, eine klare Rückkehrempfehlungen auszusprechen. Außerdem sollte sofort ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden bei Fieber, Blut, zunehmenden Schmerzen, anhaltendem Erbrechen oder fehlender Besserung. Dokumentiere Besonderheiten wie Schwangerschaft oder Komedikation und begrenze die Selbstmedikation zeitlich. 

Wichtig ist außerdem, keine Abführmittel und keine „Analgesie um jeden Preis“ bei unklarem akutem Bauchschmerz zu empfehlen – vor allem NSAR können das Bild verschleiern, Komplikationen triggern und die Diagnostik verzögern.