Traumfabrik Gehirn: Update für deine Psyche

Schon mal aufgewacht und gedacht: „Was war DAS denn?“ Erfahre hier, warum wir träumen, was Albträume bringen und was sie dir sagen wollen.

„Zeig mir deine Träume, und ich sag dir, wer du bist“

Kommt dir folgende Situation bekannt vor? Du wachst morgens auf und fragst dich „Was zur Hölle war das denn?“. Ob wilde Verfolgungsjagden, peinliche Situationen oder romantische Liebesabenteuer – Träume können uns zum Lachen, Staunen oder Grübeln bringen. Doch sind sie wirklich nur bedeutungslose, bunt zusammengewürfelte Kurzgeschichten unseres schlafenden Gehirns oder steckt mehr dahinter?

Warum träumen wir?

Während wir schlafen, legt unser Körper eine Pause ein – unser Gehirn aber nicht. Gerade in der REM-Phase (Rapid Eye Movement) ist es hochaktiv. Die Augen bewegen sich schnell unter den Lidern, der Puls steigt leicht und die Gehirnwellen ähneln denen im Wachzustand. Genau in dieser Phase entstehen die meisten unserer Träume.

Die Wissenschaft hat noch nicht endgültig geklärt, warum wir eigentlich träumen. Aber vieles spricht dafür, dass das Gehirn nachts eine Art „Aufräum- und Verarbeitungsarbeit“ leistet. Erlebnisse des Tages werden sortiert, Emotionen eingeordnet und Wichtiges von Unwichtigem getrennt. Ein bisschen so, als würde man sein Smartphone-Speicher aufräumen: Wichtige Daten sichern und sortieren und Überflüssiges löschen, damit wieder Platz für Neues ist.

Das limbische System, das für Emotionen zuständig ist, arbeitet dabei auf Hochtouren und der präfrontale Kortex, der für Logik und Kontrolle verantwortlich ist, hat hingegen Nachtruhe. Anders gesagt: die Gefühle übernehmen das Kommando, während die Vernunft schläft. Deshalb wirken Träume oft so absurd.

Übrigens: An die meisten Träume können wir uns gar nicht erinnern. Denn das klappt nur dann, wenn wir direkt aus der REM-Phase aufwachen und der Traum im Gedächtnis abgespeichert wird. Klingelt der Wecker jedoch in einer anderen Phase, bleibt er meist im Dunkel des Unterbewusstseins und die Trauminhalte gehen verloren. 


Bildquelle: (istock/skynesher)

Und wozu das alles? Die psychologische Funktion von Träumen

Forschende sehen in ihnen eine Art emotionale und kognitive Verarbeitungsstrategie unseres Gehirns. Die verschiedenen Funktionen unserer Träume haben wir im Folgenden kurz zusammengefasst:

  • Emotionale Verarbeitung: Träume helfen dabei, (belastende) Erlebnisse oder Gefühle zu verarbeiten. Wer beispielsweise einen Verlust erlitten hat, begegnet der verlorenen Person im Traum oft wieder, was dabei hilft, die Trauer zu bewältigen.
  • Kreativität und Problemlösung: Im Traum kombiniert das Gehirn Erfahrungen und Informationen neu, was manchmal zu überraschenden Ergebnissen führt, die einem im wahren Leben tatsächlich weiterbringen können und uns Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten können
  • Gedächtniskonsolidierung: Während des Schlafs werden neue Informationen ins Langzeitgedächtnis überführt und unsere Träume begleiten diesen Prozess.
  • Selbstreflexion: Wiederkehrende Traummotive können uns Hinweise auf innere Konflikte oder Bedürfnisse geben. Wer zum Beispiel ständig von Prüfungen träumt, steht vielleicht im echten Leben unter Leistungsdruck.
  • Emotionale Balance: Indem wir im auch im Traum Emotionen durchleben, stabilisieren wir unser seelisches Gleichgewicht. Menschen, die sich regelmäßig mit ihren Träumen beschäftigen, berichten oft von besserem emotionalem Wohlbefinden.


Warum schlechte Träume wichtig sind

Albträume helfen unserem Gehirn dabei, starke Emotionen zu verarbeiten und vage Ängste in konkrete Bilder zu verwandeln. Im Traum darf das Unterbewusstsein frei arbeiten, ohne dass Logik und Kontrolle dazwischenfunken. Forschende vermuten sogar, dass Albträume zu seelischer Stabilität beitragen können, da das Gehirn uns mit Ängsten konfrontiert, denen wir im Wachzustand lieber aus dem Weg gehen. Träume bieten dadurch eine Art Ventil, durch das ungelöste Gefühle sich auf andere Weise Bahn brechen können.

Wenn Träume zum Warnsignal werden

Träume können auch Hinweise auf psychische Belastungen sein. Menschen mit Depressionen, Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen erleben häufiger intensivere oder wiederkehrende Albträume, die ein Warnsignal sein können. Träumen dient dazu, emotionale Belastungen zu verarbeiten und zu mildern. Doch wenn dieser Mechanismus gestört ist, etwa durch psychische Erkrankungen, Traumata oder starken Stress, können belastende Träume nicht nur Routine, sondern regelrecht zur Qual werden.

Wichtig hierbei ist: Wenn du regelmäßig unter Albträumen leidest, dich morgens erschöpft fühlst oder die nächtlichen Szenen dich tagsüber beschäftigen, solltest du das ernst nehmen und gegebenenfalls ärztliche und/ oder psychologische Hilfe suchen. Denn gesunder Schlaf bedeutet auch seelische Erholung – und wenn das Träumen nur noch zur Belastung wird, braucht die Psyche (professionelle) Unterstützung!

Fazit: Ein nächtlicher Blick in unser Unterbewusstsein

Also, wenn du das nächste Mal davon träumst, nackt deinen Arbeitskolleg:innen gegenüberzustehen oder wild durch die Luft fliegst, denk dran: Selbst die verrücktesten Träume haben ihren Sinn. Sie sind quasi das nächtliche Update für deine Psyche, das Erlebtes sortiert, uns Lösungen aufzeigt und dein seelisches Gleichgewicht stärkt.

 


Bildquelle: (istock/damedeeso)

Fun Fact: Träumen Tiere auch? Ja! Zumindest gibt es starke Hinweise darauf. In der REM-Schlafphase zeigen viele Tiere ähnliche Gehirnaktivitäten wie wir Menschen. Wenn also dein Hund im Schlaf leise bellt oder mit den Pfoten zuckt, träumt er vermutlich gerade von einem ausgedehnten Spaziergang oder einer wilden Verfolgungsjagd. Studien zeigen sogar, dass auch Ratten im Schlaf ihre Erlebnisse des Tages „noch einmal abspielen“. Träume scheinen also nicht nur uns Menschen beim Verarbeiten und Lernen zu unterstützen.