Männer erreichen, Gesundheit fördern

Herzkrankheiten, Diabetes und Gicht betreffen Männer häufiger als Frauen. Was steckt dahinter und wie kannst du Männer im Apothekenalltag sensibel beraten?

Männergesundheit: Risiken kennen, gezielt beraten 

Männergesundheit begegnet Apothekenteams bei unterschiedlichen Anliegen: beim Einlösen eines Blutdruckrezepts ebenso wie bei Fragen zu Gelenkschmerzen oder Verdauungsbeschwerden. Einige Erkrankungen treten bei Männern deutlich häufiger auf als bei Frauen. Dahinter stehen biologische Unterschiede, aber auch Lebensgewohnheiten und soziale Einflüsse.  

Herz und Stoffwechsel im Blick 

Männer erkranken häufiger an einer koronaren Herzkrankheit. Dabei verengen Ablagerungen die Herzkranzgefäße und beeinträchtigen die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Diabetes begünstigen die Erkrankung. Je nachdem, wie stark diese Risiken ausgeprägt sind und wie viele davon auf einmal zusammentreffen, wird das individuelle Erkrankungsrisiko beeinflusst. 

Auch Typ-2-Diabetes entwickelt sich bei Männern häufig früher als bei Frauen und bereits bei einem niedrigeren Body-Mass-Index. Eine Rolle spielt die Fettverteilung: Männer lagern Fett eher im Bauchraum ein. Dieses viszerale Fett ist stoffwechselaktiv und begünstigt eine Insulinresistenz. Körperzellen reagieren dann schlechter auf Insulin. Hormonelle Unterschiede und weitere Stoffwechselfaktoren tragen ebenfalls dazu bei. Bei entsprechenden Vorerkrankungen lohnt es sich, in der Beratung nach bekannten Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerten zu fragen. 

Gicht: Warum Männer häufiger betroffen sind 

Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erkranken Männer ungefähr fünfmal so häufig an Gicht wie Frauen. Das unabhängige Institut bewertet wissenschaftliche Erkenntnisse zu medizinischen Maßnahmen und veröffentlicht verständliche Gesundheitsinformationen.  

Ein Grund für den Unterschied liegt in der hormonell beeinflussten Harnsäureausscheidung: Östrogene fördern die Ausscheidung über die Nieren. Bei Männern ist dieser Effekt aufgrund niedrigerer Östrogenspiegel weniger ausgeprägt. Das trägt dazu bei, dass ihre Harnsäurewerte im Durchschnitt höher liegen als bei Frauen vor den Wechseljahren. Nach der Menopause steigt auch bei Frauen das Risiko. 

Übersteigt die Harnsäurekonzentration die Löslichkeitsgrenze, können sich Kristalle ablagern und Gelenkentzündungen auslösen. Neben einer erblichen Veranlagung begünstigen unter anderem Übergewicht, Alkohol und bestimmte Diuretika eine Gicht. Cave: Ein erstmals plötzlich schmerzhaftes, gerötetes und geschwollenes Gelenk sollte zeitnah ärztlich untersucht werden, auch um eine Gelenkinfektion auszuschließen. 

Früherkennung verdient Aufmerksamkeit 

Selbst bei Berücksichtigung von Altersfaktoren fällt auf, dass Darmkrebs bei Männern häufiger auftritt als bei Frauen. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehören Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie ein hoher Verzehr von verarbeitetem Fleisch. Wie groß der Anteil einzelner Faktoren am Geschlechterunterschied ist, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. 

Gerade weil Darmkrebs anfangs häufig keine Beschwerden verursacht, ist die Früherkennung ein sinnvolles Gesprächsthema. In der Apotheke könnt ihr auf die Angebote hinweisen und bei Fragen zu Nutzen, Grenzen und möglichen Nachteilen auf qualitätsgesicherte Informationen verweisen. 

Beraten mit Gespür für die Situation 

Männer nehmen ambulante ärztliche Versorgung insgesamt seltener in Anspruch als Frauen. Ein Teil des Unterschieds hängt mit soziokulturellen Faktoren und auch mit gynäkologischen sowie schwangerschaftsbezogenen Arztkontakten zusammen.  Scham, Zeitdruck oder die Vorstellung, Beschwerden selbst bewältigen zu müssen, können das Einholen ärztlichen Rats bei Männern erschweren. 

Im HV helfen konkrete Fragen: Seit wann bestehen die Beschwerden? Wie häufig treten sie auf? Was wurde bereits ausprobiert? Fragt bei Schmerzen auch nach Einschränkungen im Alltag. Das kann ihre Bedeutung besser erfassen als die Schmerzstärke allein. Bei Erektionsproblemen oder Beschwerden beim Wasserlassen erleichtert ein diskretes Gespräch das Nachfragen. 

Empfehle eine ärztliche Abklärung, erkläre den Anlass und die Dringlichkeit.  Hinweise zu Ernährung, Bewegung oder Alkohol passen besonders dann, wenn sie unmittelbar an die aktuelle Frage anknüpfen. Ebenso hilfreich sind verständliche Erläuterungen zur Einnahme und zu möglichen Nebenwirkungen. So kann aus einem kurzen Apothekenbesuch ein Gespräch werden, das Unsicherheiten klärt und den Zugang zu weiterer Hilfe erleichtert.