Gut beraten: Nutzen, Grenzen und Risiken von Zink
Zink unterstützt das Immunsystem, die Haut und die Fruchtbarkeit. Wann ist eine Ergänzung sinnvoll, was gilt bei Erkältung und Allergie – und worin unterscheiden sich Arzneimittel und Nahrungsergänzung?
Zink ist in der Apotheke als Nahrungsergänzungsmittel, Arzneimittel und als Bestandteil zahlreicher Kombinationspräparate zu finden. Das essenzielle Spurenelement ist an vielen Enzymreaktionen beteiligt, unter anderem an Zellteilung, Wundheilung, Stoffwechsel, Immunfunktion und Fortpflanzung. Da der Körper kein klassisches Speicherorgan für Zink besitzt, ist eine regelmäßige Zufuhr über die Nahrung nötig.
Wie viel Zink braucht der Mensch?
Die DGE macht die Zufuhrempfehlung bei Erwachsenen von der Phytataufnahme abhängig: Für Frauen gelten 7, 8 oder 10 mg pro Tag, für Männer 11, 14 oder 16 mg. Phytat aus Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten bindet Zink im Darm und senkt seine Bioverfügbarkeit. Das ist kein Argument gegen diese wertvollen Lebensmittel: Einweichen, Keimen und Sauerteiggärung bauen Phytat ab. Gute Zinkquellen sind Fleisch, Käse, Milch und Eier, aber auch Nüsse, Keimlinge und Hülsenfrüchte.
Ein Zinkmangel kann sich durch Wundheilungsstörungen, Hautveränderungen, Durchfall oder erhöhte Infektanfälligkeit zeigen, die Symptome sind jedoch unspezifisch. Ein erhöhtes Risiko besteht beispielsweise bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, im höheren Lebensalter oder bei einer sehr phytatreichen und wenig abwechslungsreichen Ernährung.
Health Claims richtig übersetzen
Für Zink sind zahlreiche gesundheitsbezogene Aussagen zugelassen. Es trägt unter anderem zu einer normalen Funktion des Immunsystems, zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress, zur Erhaltung normaler Haut, Haare, Nägel und Knochen sowie zu normaler Fruchtbarkeit und Reproduktion bei und unterstützt die Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels.
Wichtig für die Beratung: Diese Claims beschreiben den Beitrag zu einer sogenannten „normalen“ Körperfunktion. Sie bedeuten weder, dass mehr Zink das Immunsystem zusätzlich ankurbelt, noch dass ein zinkhaltiges Präparat Krankheiten verhindert oder heilt.
Zink bei Erkältung und Allergien
Eine prophylaktische Einnahme im Herbst verhindert Erkältungen nach aktueller Cochrane-Auswertung wahrscheinlich nicht. In einem systematischen Review berichten Forschende, dass hochdosiertes Zink-Acetat (75 mg) bei einer bereits bestehenden Erkältung die Erkältungsdauer im Mittel um etwa 42 %, andere hochdosierte Zink-Salze um etwa 20 % verkürzen kann. Auch ein anderer Review-Artikel beschreibt, dass eine frühzeitige Einnahme von Zink die Dauer der Symptome verkürzen kann. Geschmacksstörungen und Magen-Darm-Beschwerden traten in den Studien unter Zink häufiger auf. Vor dem Hintergrund erscheint eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoller als eine generelle Empfehlung zur hochdosierten Einnahme.
Zink beeinflusst zahlreiche Immunprozesse, außerdem werden Zusammenhänge zwischen einem Zinkmangel und allergischen Erkrankungen untersucht. Die klinischen Ergebnisse sind bislang jedoch uneinheitlich. Zink ist deshalb keine etablierte Behandlung von Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis und ersetzt keine antiallergische Therapie. Sinnvoll ist es, einen begründeten Mangel auszugleichen – nicht, Allergiesymptome auf Verdacht mit hohen Dosen zu behandeln.

Unterstützung bei Kinderwunsch
Zink spielt bei der Fortpflanzung nachweislich eine Rolle, denn bei Männern ist es unter anderem an der Reifung und Funktion der Spermien beteiligt. Der zugelassene Claim zur normalen Fruchtbarkeit gilt jedoch für beide Geschlechter. Daraus folgt nicht, dass zusätzliches Zink bei ausreichender Versorgung die Spermienqualität oder Schwangerschaftsrate steigert. Leitlinien bewerten antioxidative Supplemente bei männlicher Infertilität wegen widersprüchlicher und qualitativ schwacher Studien zurückhaltend. Bei unerfülltem Kinderwunsch gehört die Ursachenabklärung daher in ärztliche Hände.
Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel?
Eine Supplementierung, insbesondere bei Kinderwunsch, sollte nur bei einem festgestellten Bedarf erfolgen. Beispiele sind die Präparate Zink Verla® 10 mg bei nachgewiesenem Zinkmangel oder unter einer Behandlung mit Komplexbildnern sowie Zinkamin-Falk® 15 mg oder Zinkorot® 25 mg bei klinisch gesicherten Zinkmangelzuständen, sofern diese nicht durch eine Ernährungsumstellung behoben werden können. Entscheidend ist nicht allein die Milligrammzahl, sondern Zweckbestimmung, Zulassung und Gebrauchsinformation.
Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel unterscheiden sich nicht nur in der Dosierung. Nahrungsergänzungsmittel ergänzen die Ernährung und dürfen keine Krankheiten behandeln oder verhindern. Arzneimittel sind für konkrete Anwendungsgebiete zugelassen und müssen Wirksamkeit und Sicherheit belegen. Deshalb sollte bei Zinkpräparaten stets auch der rechtliche Status berücksichtigt werden.
Das gehört in die Beratung
Prüfe die gesamte tägliche Zinkmenge aus Einzel- und Kombinationspräparaten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 6,5 mg Zink pro Tagesdosis vor, der tolerierbare obere Gesamtzufuhrwert für Erwachsene liegt bei 25 mg täglich. Dauerhaft hohe Mengen können die Kupferaufnahme stören und eine Anämie begünstigen. Bei einer Einnahme über mehrere Monate sind Zink und Kupfer gegebenenfalls labordiagnostisch zu kontrollieren.
Zink kann außerdem mit Eisen, Kupfer und Calcium sowie mit Tetrazyklinen und Chinolonen wechselwirken. Beachte den in der jeweiligen Gebrauchsinformation genannten Einnahmeabstand. Cave: die Produkte werden immer anhand der Menge an elementarem Zink verglichen – nicht anhand des Gewichts der Zinkverbindung.