Zwei Welten unter dem Mikroskop: Viren vs. Bakterien

Zwei Erregergruppen, ein Ziel: Infektionen. Wie unterscheiden sich Viren und Bakterien in Aufbau und Vermehrung? Welche Krankheiten verursachen sie und was ist bei der Therapie relevant? Frische hier dein Wissen auf.

Grundlegende Unterschiede im Aufbau

Bakterien sind eigenständige Lebewesen. Sie bestehen aus einer vollständigen Zelle mit Zellwand, Zellmembran, Cytoplasma und Ribosomen. Sie verfügen über einen eigenen Stoffwechsel und können sich durch Zellteilung vermehren. Viren hingegen sind keine Lebewesen im klassischen Sinn. Sie bestehen lediglich aus genetischem Material (DNA oder RNA), das von einer Proteinhülle (Capsid) umgeben ist. Manche Viren besitzen zusätzlich eine Lipidhülle. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel. Größenunterschiede sind ebenfalls deutlich: Bakterien messen etwa 1–10 µm, Viren dagegen nur 0,02–0,2 µm – sie sind bis zu hundertmal kleiner und nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbar.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Vermehrung

Die meisten Bakterien vermehren sich selbstständig durch Zweiteilung (binäre Spaltung). Dabei wächst die Zelle zur doppelten Größe an und zwei gleiche Tochterzellen teilen sich ab. Unter optimalen Bedingungen kann sich eine Bakterienzelle alle 20 Minuten teilen. Es gibt aber auch einige Bakterien, die sich durch Knospung oder Sprossung vermehren, ähnlich wie Hefezellen.

Viren hingegen sind obligate Parasiten, sie benötigen für ihre Vermehrung – im Gegensatz zu Bakterien – einen Wirt. Sie dringen in eine Wirtszelle ein, schleusen ihr Erbgut ein und programmieren die Zellmaschinerie um, sodass neue Viruspartikel produziert werden. Nach der Replikation werden die Viren freigesetzt, oft durch das Platzen der Wirtszelle.

Krankheitsbilder: Wer verursacht was?

Beide Erregergruppen können Infektionen auslösen, aber die Krankheitsbilder unterscheiden sich:

 

Therapie und Resistenzproblematik

Antibiotika greifen spezifische Strukturen oder Prozesse von Bakterien an, etwa die Zellwandsynthese oder Proteinsynthese. Bei Viren sind antivirale Medikamente erforderlich, die die Virusvermehrung hemmen. Ein häufiger Fehler ist der Einsatz von Antibiotika bei viralen Infekten – dies fördert Resistenzen und schadet dem Mikrobiom. Daher ist eine fundierte Beratung zur richtigen Anwendung von Antibiotika essenziell.