Pollen im Anflug: Augen im Alarmzustand

Juckende, rote Augen in der Pollensaison? Oft steckt Rhinokonjunktivitis dahinter. Lies hier nach, welche Tropfen helfen, was internationale Leitlinien empfehlen und wie du in der Apotheke beraten kannst.

Tatort Auge – allergische Augenbeschwerden

Juckreiz ist das Leitsymptom: Wenn die Augen in der Pollensaison stark jucken und gerötet sind, tränen und die Lider geschwollen wirken, steckt oft eine allergische Konjunktivitis (allergische Bindehautentzündung) dahinter. Typisch ist ein beidseitiger Befall mit wässrigem Sekret, denn verklebte Lider mit eitrigem Ausfluss passen eher zu Infektionen. Wichtig für die Beratung: Reiben verstärkt die Entzündungsreaktion, weil dabei Mastzellen zusätzliche Botenstoffe freisetzen. 

Stufe 1: Sofortmaßnahmen und nicht-medikamentöse Basics

In der Selbstmedikation sind einfache Maßnahmen oft erstaunlich wirksam: kalte Kompressen dämpfen den Juckreiz und wirken der Schwellung entgegen, Tränenersatzmittel spülen Allergene von der Augenoberfläche und stabilisieren den Tränenfilm und konsequente Allergenreduktion (z. B. draußen Sonnenbrille, Haare abends waschen, Pollenzeiten beachten). Bei Kontaktlinsen gilt: Bei akuten Beschwerden besser pausieren oder auf Tageslinsen ausweichen, da Allergene und Konservierungsstoffe zusätzlich reizen können. 

Stufe 2: Topische Antiallergika – die „erste Wahl“ am Auge

Der aktuelle Standard für saisonale allergische Konjunktivitis sind topische Antihistaminika bzw. Präparate die eine H1-Blockade mit einer Mastzellstabilisierung verbinden. Sie wirken schnell gegen Juckreiz und Rötung und sind anwenderfreundlich. Zu den gängigen Wirkstoffen zählen Azelastin, Levocabastin, Ketotifen und Olopatadin. Als klassische Mastzellstabilisatoren stehen Cromoglicinsäure-Tropfen vor allem für Schwangere und die Menschen zur Verfügung, welche die anderen Wirkstoffe nicht vertragen. Cromoglicinsäure wirkt schwächer und eher vorbeugend, da die Tropfen 14 Tage Aufsättigung benötigen bevor sie die volle Wirksamkeit entfalten.

Neu und praxisrelevant: Olopatadinhaltige Augentropfen sind inzwischen als OTC erhältlich – für Erwachsene mit saisonaler allergischer Konjunktivitis. Damit hat die Selbstmedikation am Auge im vergangenen Jahr eine weitere moderne Option im Sichtwahl-Segment bekommen. Praktischer Beratungspunkt zur Anwendung: Laut aktueller Übersicht sind die Tropffrequenzen und Anwendungsgrenzen je nach Wirkstoff verschieden (z. B. Azelastin häufiger möglich, in der Selbstmedikation aber zeitlich begrenzt, Olopatadin meist zweimal täglich und über Wochen/Monate möglich). Das hilft bei der Produktauswahl, wenn Kund:innen „schnell“ vs. „lang anhaltend“ wünschen. 

Foto: iStock / winyuu

Stufe 3: Wenn Nase und Auge Symptome zeigen

Augensymptome treten häufig zusammen mit allergischer Rhinitis auf. Dann lohnt sich ein „Ganzkörperblick“: Wer neben juckenden Augen auch eine verstopfte Nase mit Ausfluss hat und viel niesen muss, profitiert oft von einer konsequenten Nasentherapie (z. B. intranasale Kortikosteroide) plus Antihistaminikum – das verbessert häufig auch die Augensymptomatik. 

Auch internationale Leitlinien wie ARIA (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma) und der Konsensreport ICAR (International Consensus Statement on Allergy and Rhinology) empfehlen, die Pollenallergie im Gesamtbild der Rhinokonjunktivitis zu sehen. Deshalb sollte in der Beratung die Therapie von Augen und Nase zusammen vorgenommen werden – eine gut behandelte allergische Rhinitis kann die Augenbeschwerden oft spürbar mit lindern.

Für geeignete Patient:innen ist außerdem die Allergen-Immuntherapie ein wichtiger Hinweis: Sie kann die Erkrankung langfristig beeinflussen und die Symptome reduzieren – ein sinnvoller ärztlicher Gesprächsanlass bei wiederkehrend starker Saisonbelastung. 

Wann ist ärztlicher Rat erforderlich?

Unbedingt ärztlich abklären lassen: einseitiges stark gerötetes Auge ohne Juckreiz, Schmerz, ausgeprägte Lichtscheu, Sehverschlechterung, eitriges Sekret, Hornhautverdacht oder Beschwerden bei Kontaktlinsenträger:innen. Bei schweren chronischen okulären Allergien (z. B. atopische Keratokonjunktivitis) gehören Kortikosteroide und Immunmodulatoren (z. B. Ciclosporin/Tacrolimus) in die Hand der Augenheilkunde. 

Beratungstipps „zum Mitgeben“

  • Hände vor der Anwendung der Augentropfen waschen
  • Tropferspitze nicht berühren
  • einen Tropfen in den Bindehautsack, Augen kurz schließen
  • mehrere Augenpräparate mit Abstand anwenden
  • bei häufiger Anwendung konservierungsmittelfreie Präparate bevorzugen
  • bei fehlender Besserung nach wenigen Tagen ärztlich abklären lassen.