Arbeiten im Schneckentempo

Trödeln ist in der Apotheke fehl am Platz, findet die Apothekenspitzel:in. Sie berichtet von ihren Erfahrungen mit Kolleginnen, die Aufgaben immer wieder vor sich herschieben und dadurch das Team spürbar ausbremsen.

Wenn der Kaffee schneller arbeitet als manche Kollegin

Kennst du das auch? Man kommt morgens voller Tatendrang in die Apotheke und ist bereit, den Tag zu rocken. Doch dann gibt es da diese eine Kollegin, die einfach nicht in die Gänge kommt. Während du schon die ersten Kunden bedienst und Rezepte bearbeitest, steht sie noch gemütlich am Kaffeeautomaten und plaudert ausgiebig über das Wochenende. Ein klingelndes Telefon wird dann gerne auch mal „überhört”. Sie schlendert gerne (nicht nur am Morgen …) und findet es überhaupt nicht schlimm, wenn die anderen dann ihre Arbeit machen. 

Wenn bei uns ein Kunde die Apotheke betritt, klingelt es. Dann muss einer von den PTA und Apotheker:innen an den HV-Tisch. Meistens funktioniert es ganz gut, aber dann gibt es trotzdem diejenigen, die am liebsten gerne den ganzen Tag nur auf dem Stuhl sitzen und – rein zufällig – in dem Moment noch was anderes machen müssen. Meistens muss dann dringend eine Dokumentation erledigt werden. 😉 Das alles kann ganz schön frustrierend sein, vor allem, wenn man gefühlt immer diejenige ist, die zuerst aufspringt. 

Wir sind alle unterschiedlich stark motiviert 

Besonders dann, wenn diese Kollegin dann auch noch Aufgaben (vor allem am Abend) bewusst liegen lässt, obwohl sie es in drei Minuten erledigen könnte, und stattdessen lieber die Süßigkeitenbox genauer unter die Lupe nimmt, führt das nicht nur zu Unmut im Team, sondern kann auch die Effizienz und den Service in der Apotheke beeinträchtigen. Aber nicht nur das, weitere Folgen sind Stress und ein schlechteres Arbeitsklima. 

Foto: iStock / Stefan Rotter

Es ist sicherlich normal, wenn in einer Gruppe von Menschen nicht alle gleich motiviert sind. Offiziell haben wir alle zwar eine vereinbarte wöchentliche Stundenzahl, aber bei manchen wirkt es so, als würden sie (meiner Meinung nach) deutlich weniger leisten. Das Blöde ist: Man kann das nicht wirklich nachweisen und müsste penibel schauen. Und rechtlich belangen ist auch nicht möglich. Vielleicht sollte ich einfach aufhören in weniger Zeit mehr zu schaffen? Gleichzeitig denke ich, dass wir es uns in der Apotheke nicht erlauben können, Dienst nach Vorschrift zu machen.

Zwischen Selbstanspruch und Selbstfürsorge 

Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht einfach zu viel von mir selbst verlange. Während ich innerlich koche, weil wieder jemand bummelt, merke ich, wie sehr ich selbst ständig auf 200 % laufe. Vielleicht ist es genau das: Ich erwarte von anderen, was ich mir selbst jeden Tag abverlange. Aber muss ich das überhaupt? Reichen nicht eigentlich die erwarteten 100 %? Dieser Gedanke fühlt sich seltsam an, fast so, als würde ich mich selbst verraten. Und gleichzeitig klingt er nach einer längst überfälligen Form von Selbstfürsorge. Denn mal ehrlich: Wenn ich immer renne, während andere schlendern, dann laufe ich irgendwann gegen eine Wand.

Es heißt ja nicht umsonst, dass chronischer Stress ein Risikofaktor ist – für Gesundheit, Stimmung und am Ende auch für die eigene Motivation. Vielleicht wäre es klüger, öfter mal einen Gang runterzuschalten, bevor ich ausbrenne. Ich kann schließlich nicht die Arbeitsmoral anderer Menschen steuern. Was ich aber beeinflussen kann, sind meine eigenen Grenzen. Und vielleicht auch, wie wir im Team miteinander umgehen. Bessere Absprachen könnten helfen: Wer übernimmt was, wann, und vor allem zuverlässig? Vielleicht könnten Anreize seitens der Chefin oder des Chefs ebenfalls etwas bewegen, manchmal braucht es eben mehr als nur guten Willen.

Und dennoch bleibt ein Rest Unsicherheit: Wie schafft man es, auf sich selbst zu achten, ohne sich gleichzeitig auszunutzen zu lassen? Wie findet man die Balance, ohne ständig das Gefühl zu haben, hinter den eigenen Ansprüchen zurückzubleiben? Vielleicht liegt die Antwort irgendwo zwischen Gelassenheit, klaren Worten und der Erkenntnis, dass Perfektion kein Team retten kann, aber gute Kommunikation vielleicht schon.


AMIRA fragt: Wie gehst du damit um, wenn andere im Team deutlich weniger Speed haben als du? Wo ziehst du für dich die Grenze zwischen gesundem Engagement und Selbstüberforderung? Schreibe deine Erfahrungen in die Kommentare!