Wenn der Darm aus dem Takt gerät

Eine gestörte Darmflora, die sogenannte Dysbiose, kann weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Wie können Apothekenteams Ratsuchende bei der Regeneration des Mikrobioms gezielt unterstützen?

Dysbiose: Definition und Auslöser

Unter Dysbiose versteht man ein Ungleichgewicht der mikrobiellen Besiedlung im Darm. Normalerweise besteht das Darmmikrobiom aus einer Vielzahl nützlicher Bakterienarten, die in einem stabilen Gleichgewicht zueinander stehen. Wird dieses Gleichgewicht gestört, etwa durch Antibiotika, unausgewogene Ernährung, Stress oder bestimmte Medikamente, kann es zu einer Dysbiose kommen. Insgesamt führt eine Dysbiose zu einer Zunahme potenziell pathogener Keime (z.B. Clostridioides difficile) und zu einer reduzierten mikrobiellen Diversität.

Typische Auslöser sind:

  • Antibiotika: Sie eliminieren nicht nur pathogene, sondern auch nützliche Bakterienarten.
  • Ballaststoffarme Ernährung: Führt zu einer verminderten Produktion kurzkettiger Fettsäuren wie Butyrat.
  • Stress und Schlafmangel: Beeinflussen die Darm-Hirn-Achse und die mikrobielle Zusammensetzung.
  • Langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI), nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Zytostatika: Diese Medikamente können die Barrierefunktion des Darms schwächen.

 

Spürbare Folgen einer Dysbiose: Mehr als nur Verdauungsprobleme

Da das Darmmikrobiom eine zentrale Rolle für die Gesundheit spielt, kann ein Ungleichgewicht der Darmflora weitreichende Folgen haben. Eine Dysbiose kann sich auf vielfältige Weise äußern. Zu den häufigsten Symptomen zählen Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Doch die Auswirkungen reichen weiter:

 

Bildquelle: (istock/Richard Villalonundefined undefined)

Wie lange dauert die Regeneration nach Antibiotika?

Die Erholung des Mikrobioms nach einer Antibiotikatherapie ist individuell verschieden. Studien zeigen, dass sich die mikrobielle Vielfalt innerhalb von vier Wochen bis zu sechs Monaten erholen kann – abhängig von Alter, Ernährung, Vorerkrankungen und Antibiotikatyp. Besonders empfindliche Bakterienarten wie Akkermansia muciniphila oder Faecalibacterium prausnitzii benötigen oft deutlich länger zur Rückkehr oder bleiben dauerhaft reduziert.

Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Präbiotika (z.B. Inulin, Oligofructose) kann die Wiederbesiedlung fördern. Auch fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut unterstützen die Diversität.

Beratungstipps

Wichtige Aspekte der Beratung sind:

  • Probiotika gezielt einsetzen: Evidenzbasiert empfohlen bei Antibiotika-assoziiertem Durchfall sind z.B. Saccharomyces boulardii und Lactobacillus rhamnosus GG.
  • Präparatebeispiele: In Apotheken erhältlich sind u.a. Omni-Biotic® AAD, Perenterol® forte, Mutaflor® (E. coli Nissle 1917) oder Symbioflor®.
  • Einnahmezeitpunkt beachten: Probiotika sollten zeitlich versetzt zur Antibiotikagabe eingenommen werden (mind. 2 Stunden Abstand).
  • Dauer der Einnahme: Mindestens während der Antibiotikatherapie und 1–2 Wochen darüber hinaus. Bei chronischen Beschwerden ggf. länger.
  • Ernährungsempfehlungen geben: Ballaststoffreiche Kost, fermentierte Lebensmittel und ausreichend Flüssigkeit fördern die Regeneration.
  • Aufklärung über Symptome: Patient:innen sollten wissen, dass Verdauungsbeschwerden nach Antibiotika häufig sind – aber auch behandelbar.

 

Fazit

Das Darmmikrobiom ist ein komplexes, empfindliches Ökosystem mit weitreichender Bedeutung für die Gesundheit. Eine Dysbiose kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden – allen voran durch Antibiotika – und zahlreiche Folgen (reduzierte mikrobielle Diversität, Zunahme potenziell pathogener Keime, gestörte Immunregulation) haben und Beschwerden nach sich ziehen, die über den Verdauungstrakt hinausgehen. Die Regeneration des Mikrobioms braucht Zeit und Unterstützung. Durch eine angepasste Ernährung, gezielte Einnahme von Pro- und Präbiotika kann die Regenerierung des Darmmikrobioms unterstützt werden.